Donnerstag, 4. März 2021

Gedankensammelsurium ~ Hunter & Garcia - Chris Carter

Hallo zusammen,

ich habe letzten Monat die halbe Hunter & Garcia Reihe von Chris Carter gelesen. Nachdem ich im Monatsrückblick gemerkt habe, dass ich doch ein bisschen was dazu sagen möchte, habe ich diesen Post angefangen. Es ist keine echte Rezension, sondern mehr Gebrabbel über die einzelnen Bände, aber vielleicht interessiert das auch jemanden. Falls nicht ist das auch okay. Ich habe zumindest eine kleine Gedankenstütze für mich, falls ich in ein paar Jahren nochmal wissen möchte, was ich über Band X oder Y dachte. 

Wichtig: Ich werde nicht spoilern, in dem ich euch verrate wer der/die Täter*in ist oder wer stirbt oder ähnliches. Aber ich werde dennoch auf Details eingehen. Zum Beispiel werde ich beschreiben, wie in einem Band der Täter überführt wurde. Dies wird euch aber nicht dabei helfen, denn Täter schneller zu identifizieren, solltet ihr das Buch noch lesen wollen.

Allgemeines zur Reihe und I am death - der Totmacher (Band #7)

Im siebten Band ist Garcia wieder mit von der Partie. Yippieh. Auch wenn er - leider - nur Hunters Sidekick ist, fehlt ohne ihn doch etwas. 

Wahrscheinlich werde ich mich jetzt bei allen noch folgenden Teilen der Reihe wiederholen, aber es ist so: Ich mag die Bücher. Sie sind spannend, ich fliege häufig durch die Seiten, die Auflösung ist schlüssig, die Charaktere sind nachvollziehbar und sympathisch. 

Aber ich verstehe nicht, warum Chris Carter als DER Thrillergott hingestellt wird. Wirklich nicht. Von Band zu Band werden die Morde brutaler, die Täter*innen übertrumpfen sich in Abartigkeiten... wenn ich die Reihe irgendwann nicht weiterverfolgen sollte, dann aus diesem Grund. Nicht das ich das nicht lesen könnte, obwohl es zum Teil schon sehr ekelig ist (Stichwort: Schleifmaschine), aber weil es einfach so drüber ist, dass es für mich schon unrealistisch wirkt. 

Davon abgesehen stört mich zunehmend Garcias Rolle. Ich mag ihn so gern, aber gefühlt redet Hunter mit ihm wie mit einem Kleinkind und ich weiß nicht, ob er jemals einen Gedanken hatte, den Hunter nicht schon vor ihm gehabt hat. Zu den Ermittlungen trägt er nie was bei, jedenfalls nichts gedankliches. Er muss nur Laufarbeit erledigen, weil Hunter nicht an zwei Orten gleichzeitig sein kann. 

Bewertung: 4 Big Ben

Death Call - Er bringt dir den Tod (Band #8)

Dieser Teil hat mir thematisch sehr gut gefallen. Die Umsetzung war größtenteils wieder gut, aber leider auch nicht mehr. Siehe oben. Was mir aber sehr gut gefallen hat: Hunter entwickelt ein Privatleben. Wer hätte das gedacht. Das Ende war für mich dann leider enttäuschend, weil die Auflösung meiner Meinung nach einen großen Logikfehler aufweist. Das kann aber auch an der Übersetzung liegen. 

Der Täter wird überführt, weil er eine Einblutung im Auge hat. Die Einblutung hat eine ganz bestimmte Form und jemand - Hunter, wer sonst? - erinnert sich, diese Einblutung schonmal gesehen zu haben. Zack, Täter ermittelt. Mag ja alles möglich sein. ABER: anfangs hieß es, dass der Täter eine Gesichtsmaske und rote Kontaktlinsen trägt. Es wird sogar explizit erwähnt, dass nichts weißes mehr zu sehen ist! Wie kann Hunter diese rote Einblutung also bemerken? Er kann sie bei der Person bemerken, als er noch nicht weiß, dass es sich dabei um den Täter handelt. Aber bei dem Killer, als dieser als solcher auftritt, kann er sie gar nicht sehen und daher auch den Zusammenhang nicht herstellen. 

Bewertung: 3 Big Ben

Blutrausch - Er muss töten (Band #9)

Vorweg: Der deutsche Titel ist Müll. Der Täter fällt ganz sicher nicht in einen Blutrausch und er muss töten... na ja. Angesichts der Tatsache, dass dieser Killer von allen Killern der am wenigsten zwangsgestörte ist (jedenfalls was seine Taten angeht)... Ach, lassen wir das. 

So ungefähr auf Seite 300 gibt es einen Dialog zwischen Captain Blake und Hunter und Garcia (vielleicht waren es auch andere Personen, aber egal), in dem es sinngemäß um folgendes geht: Blake stellt fest, dass der Fall schon so und so alt ist und das und das passiert ist und die Polizei NICHTS weiß. Der Rest des Gesprächs interessiert gar nicht, weil Blake das wesentliche bereits gesagt hat. Das Buch hat 440 Seiten und auf Seite 300 gibt es noch keinen nennenswerten Fortschritt. 

Was man Chris Carter zugute halten muss ist, dass man es beim Lesen nicht so richtig merkt. Mir jedenfalls fällt es oft erst hinterher auf, dass eigentlich gar nicht so viel passiert ist. Aber spätestens dann merke ich es eben doch. In diesem Band fiel es mir leider durch zwei Dinge doch sehr stark auf. 

Einerseits eben durch Blakes oben genannte Aussage. Andererseits aber auch dadurch, dass bis kurz vor Ende überhaupt nicht klar ist, wer der Täter oder die Täterin ist, dann jemand festgenommen wird und erst in der Rückschau erklärt wird, warum es jetzt diese Person war bzw. wie man darauf gekommen ist. 

Ehrlich gesagt ist das auch der Grund, warum ich letztendlich nur drei Big Ben vergeben habe. Bis Seite 423 (zur Erinnerung, dass Buch hat 445 Seiten) weiß man über den Täter nichts persönliches. Dann wird plötzlich das Haus des Täters gestürmt und man weiß gar nicht, was man davon jetzt eigentlich halten soll. Wenn ihr einen Krimi oder Thriller lest oder den Tatort schaut oder von mir aus auch einen True-Crime-Podcast hört, was wollt ihr dann lesen, sehen, hören? "Es gab einen Mord, oh noch ein Mord, Mist, vielleicht tut er das aus diesem und jenem Grund, wir wissen überhaupt nichts. Herr XY sie sind festgenommen." Da fehlt mir der Teil zwischen "Wir wissen nichts" und "Herr XY sie sind festgenommen". Und das ist ein sehr sehr großer Teil in meinen Augen. Sonst muss ich ja keine Thriller lesen. Es wird dann wie gesagt erklärt, warum Herr XY es denn jetzt gewesen ist und vor allem wie Hunter (wer auch sonst?) darauf gekommen ist, aber neeee. Das war irgendwie schwach. Es war eine Kombination aus Fleißarbeit, Zufall und Glück. Zwar spiegelt das die Realität gut wieder, aber dafür muss ich dann keine 400 Seiten einen Chris Carter lesen. Man könnte dann denken, dass Buch sei jetzt vorbei, aber nein, es gibt noch zwei Kapitel. Und die beiden Kapitel sind kein Cliffhanger, die sind eine Frechheit. 

Um aber auch mal was positives zu diesem Band zu sagen: Hunter hat weiterhin ein Privatleben. Yeah! Garica hatte eine eigene Idee, die den Fall ein wenig weitergebracht hat. Doppeltes Yeah!

Bewertung: 3 Big Ben

Jagd auf die Bestie (Band #10) 

Die größere Frechheit ist eigentlich der Anfang des 10. Teils. Die letzten beiden Kapitel des vorherigen Bandes sind die ersten beiden diesen Teils. Was in Ordnung ist, schließlich werden dadurch ja die Ereignisse diesen Bandes angeschoben. Aber wenn ich so etwas mache, dann muss ich doch die Situation identisch schildern. Oder einfacher gesagt, ich mache Copy und Paste. Aber ich kann doch nicht im letzten Kapitel von Band 9 ein Telefonat beschreiben, bei dem der Angerufene 5 Sätze sagt und Band 10 beginnt mit derselben (!) Situation und der Angerufene stellt plötzlich Rückfragen und das Telefonat dauert viel länger. Das mag eher eine Kleinigkeit sein, weil die Situation trotzdem noch erkennbar ähnlich ist und es für den Verlauf der Geschichte nichts ändert, aber ich finde das stilistisch schlecht. Und gerade wenn jemand so gefeiert wird wie Chris Carter, dann erwarte ich da mehr.   

Okay, okay, ich rudere zurück. Ich könnte mein Geschriebenes von oben einfach löschen und so tun als wäre nichts gewesen. Ich kann aber auch einfach zugeben, dass ich zu schnell geurteilt habe, da Chris Carter im Nachwort kurz darauf eingeht. Aus Spannungsgründen hat er wohl hier und da was geändert. Es ist wie gesagt nicht viel, aber nun ja. Hätte für mich nicht sein müssen, aber ich finde es gut, dass er es zumindest anspricht. 

Überraschender- und glücklicherweise hat mir dieser zehnte Band von der Handlung wieder besser gefallen. Er nimmt Bezug auf Band 7, aber man kann ihn meiner Meinung nach auch unabhängig davon lesen. Es macht aber sicher mehr Spaß, wenn man den siebten Teil schon kennt. Einziges Manko, was aber Geschmackssache ist und daher nicht so richtig Carters Schuld, ist die private Entwicklung bei Hunter. Das war das mit Abstand fieseste, was der Autor jemals gemacht hat. Ehrlich. Das ist so gemein und unfair und ich mochte die Entwicklung so gar nicht. Ich hab so eine klitzekleine Hoffnung, dass sich Chris Carter irgendwann wieder umentscheidet, aber darauf kann ich vermutlich lang warten.

Bewertung: 4 Big Ben

Bluthölle (Band #11)

Nachdem es mit Band 10 ganz gut geklappt hat, wollte ich das Projekt dann schnell zuende bringen und habe direkt den 11. und somit aktuellsten Band hinterher geschoben. Ich habe von vielen Fans gehört, dass dieser Teil wohl anders sein soll. Nicht so gut wie der Rest. Der Grund dafür ist wohl, dass die Lebensgefährtin des Autors verstorben ist, während er an dem Buch gearbeitet hat. 

Es überrascht mich nicht sonderlich, dass ich das Buch gar nicht so schlecht fand. Oder anders gesagt, es hat sich für mich nicht wesentlich von den anderen Büchern unterschieden. Ja, Band 11 war kein Highlight, aber das waren die anderen Teile ja für mich auch nicht. 

Lediglich das Ende bzw. die Auflösung hat mir nicht gefallen. Das war irgendwie typisch amerikanisch finde ich. Chris Carter kann sich überraschendere und besser durchdachte Enden ausdenken, als er hier präsentiert hat. Vielleicht hat er es von Anfang an so geplant, vielleicht hat er durch seinen Verlust aber auch einfach das erstbeste Ende genommen, was ihm in den Sinn kam. Ich weiß es nicht. Es war jedenfalls nicht der Knaller.

Bewertung: 4 Big Ben

Kommentare:

  1. Liebe Julia

    Vielen Dank, dass du deine Überlegungen zur Reihe geschildert hast, das ist total spannend und ja, ich bin auch immer sehr kritisch, wenn alles immer brutaler werden muss. Schleifmaschine ist schon heftig...

    Ich frage mich dann immer: dient diese Brutalität der Handlung, dazu, die Figuren und ihre Beweggründe oder die Intensität der Tat besser zu verstehen oder ist es sogar generell ein Merkmal der Reihe (kennst du die Thriller von David Mark? Super brutal und deftig, liegt aber an der Sprache, die kein Blatt vor den Mund nimmt und ich finde sie grandios), dann passt das für mich. Erkenne ich aber, dass die Autorin oder (sind wir ehrlich) viel eher der Autor eine perverse Idee zu befriedigen sucht oder den Leser "aufgeilen" will, gefällt mir das definitiv nicht...

    Chris Carter scheint aber zu ersterer Gruppe zu gehören, weshalb ich mir da vielleicht auch einfach mal eine Meinung bilden sollte ;-)

    Alles Liebe an dich
    Livia

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    1. Nein, David Mark sagt so mir gar nichts. Muss ich später mal recherchieren.

      Chris Carter hat in dem Bereich studiert und gearbeitet, von daher habe ich die Befürchtung, dass er sich nicht alles ausgedacht hat, was er so schreibt. Insofern glaube ich auch, dass er eher zur ersteren Gruppe gehört. Aber manchmal ist es doch arg grausam.

      Chris Carter lohnt sich auf jeden Fall, wenn man einen stabilen Magen hat :)

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  2. Hallo Julia,

    ich bin ein Fan von Chris Carter und für mich ist er schon einer der Thriller-Götter (ich habe mehrere *gg*). Ich lese einfach gern, wie er erzählt und einen ohne langes Schnickschnack fesselt. Und ich mag die Figur Hunter und auch Garcia - ich freue mich über jeden Beitrag, den Garcia liefert und hätte es auch gerne, wenn er einen größeren Part bekäme. Er ist weitaus interessanter als sein Beitrag zu den Fällen wiederspiegelt.

    Dein Post klingt allgemein ein wenig genervt von den Büchern, liege ich da richtig?

    Ich war übrigens mal bei einer Lesung von Chris Carter und muss sagen, dass er super sympathisch und sehr charismatisch rüberkommt. Ich hatte direkt Lust, mir einen ganzen Tag lang aus seinem Leben erzählen zu lassen. Leider war die Lesung schneller zu Ende als mir lieb ist.

    Hab einen schönen Sonntag!
    Liebe Grüße
    Gabi

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    1. Hallo Gabi,

      ich glaube, meine absolute Nummer 1 ist weiterhin Jeffery Deaver, aber ich hab definitiv auch noch ein paar andere, die ihm fast das Wasser reichen können. Nur Chris Carter eher nicht ;)

      Fesselnd sind seine Bücher absolut und was Garcia angeht, ist dein letzter Satz eben genau der Punkt. Er bekommt ja kaum eine Chance seine interessanten Seiten zu zeigen. Leider.

      Also ich habe die Abschnitte jeweils unmittelbar oder kurz nach
      Beenden des jeweiligen Teils geschrieben und da war ich definitiv genervt. Nicht von der kompletten Reihe, aber doch von den letzten Teilen. Von 7 - 9 aber mehr, als dann von 10 und 11. Mit ein bisschen Abstand sehe ich das aber wieder lockerer und ich werde auch auf jeden Fall weiterlesen.

      Ich glaube, mein Problem ist einfach (und ja, das ist bescheuert), dass ich zu vielen Leuten folge, die Chris Carter mega feiern. Wenn Chris Carter ein neues Buch rausbringt und mein halber Instafeed rastet aus, dann weckt das Erwartungen, ob ich will oder nicht. Und die kann man kaum erfüllen.

      Ich kann mir auch gut vorstellen, dass er ein wahnsinnig interessanter Typ ist. Ich hoffe, dass er mal zur Lit.cologne kommen wird. Vielleicht kann ich dann mal ein Ticket ergattern. Ich hätte da auf jeden Fall Lust drauf.

      Liebe Grüße
      Julia

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