Dienstag, 23. Februar 2021

Abgebrochen & Angelesen #11

 
Titel: Das Hohelied des Todes
Originaltitel: Sacred and Profance
Autorin: Faye Kellerman
Reihe: Decker #2
Seiten: 381 Seiten
Verlag: btb
Genre: Spannungsroman, orthodoxe Juden Abgebrochen: S. 146 / 381
 
Inhalt:
"Ein schauriger Fund bedeutet das abrupte Ende eines Campingtrips. Dabei wollte Detective Peter Decker einfach nur einmal richtig ausspannen und ist mit den beiden Söhnen seiner Angebeteten, Rina Lazarus, über die Feiertage in die Berge gefahren. Doch dann entdecken sie in einem Laubhaufen zwei verkohlte Skelette. Die anschließende Obduktion ergibt, daß es sich bei den Opfern um zwei junge Mädchen handelte. Eine davon muß die 16jährige Lindsey sein, die vor drei Monaten spurlos aus dem Haus ihrer wohlhabenden Eltern verschwunden ist. Unvermutet gerät Peter Decker in eine dunkle Welt voller verdeckter Leidenschaften und schwelender Gewalt." (Quelle: Buchrückseite) 

Meine Meinung:
Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wo ich mit meinen Ausführungen anfangen soll. Das Buch ist schon sehr alt. Die Originalausgabe erschien 1987 und die deutschsprachige Erstausgabe erschien 1996. Ich habe versucht mir das beim Lesen bewusst zu machen, aber Alter bzw. die Zeit in der ein Buch entsteht, entschuldigt eben nicht alles. 

Das Buch habe ich von meiner Mutter übernommen und ihr wisst, dass ich dieses Jahr einige dieser Bücher anlesen möchte. Zu diesem hier habe ich gegriffen, weil es zustäzlich zu einer anderen Challenge passt. 

Am Anfang hat mir das Buch sehr gut gefallen. Es beginnt direkt mit der auf dem Klappentext beschriebenen Szene, in der Decker und die Kinder seiner Freundin Rina verbrannte Leichen finden. Schnell wird man auch über den zweiten wesentlichen Aspekt des Buches informiert: das Judentum. Die Freundin von Decker ist (orthodoxe?) Jüdin, Decker allerdings nicht. Das führt zu vielen Problemen, da Rina unter anderem (noch) keine körperliche Beziehung zu Decker eingehen kann und möchte. Bei Decker führt das zu sehr viel sexuellem Frust. Er ist grundsätzlich scharf auf jede Frau, will aber eigentlich nur Rina, die kann er ja aber nicht haben. Nicht körperlich jedenfalls. Ich kann mir gut vorstellen, dass es für Decker schwierig und unangenehm ist, wenn er sexuelle Bedürfnisse hat, die nicht befriedigt werden. Aber ist es notwendig, das bei jeder weiblichen Person mit der er zu tun hat, zu erwähnen? 

Generell liegt ein großer Fokus auf Sexualität, vielleicht auch weil Decker eben in diesem Bereich frustriert ist. Da gibt es eine Patientin bei einer Zahnärztin: 

"Ihr Gesicht war nicht der Rede wert, aber sie war knackig gebaut. Sie hatte einen beachtlichen Busen und einen Dynamitpopo, der in strammen Designerjeans steckte." (S. 34) 

Überflüssig zu erwähnen, dass der Charakter der Dame, wenn überhaupt, nur negativ beschrieben wird. Die Zahnärztin selbst ist auch durchaus attraktiv und lädt Decker auf einen Drink ein. Dann gibt es da noch die 14-jährige, die auf ältere und reifere Männer steht und das gar nicht so witzig findet, dass auch eine Polizistin anwesend ist, während Decker sie befragt. Dem Straßenstrich wird auch ein Besuch abgestattet, abgesehen von "Nutte" fällt in diesem Zusammenhang kein anderer Begriff... Es war einfach zu viel. Es gibt sie sicher, die attraktiven Zahnärztinnen, die einen Ermittler auf einen Drink einladen. Oder die frühreifen 14-jährigen, die auf ältere Männer stehen. Aber alle zusammen in diesem Buch? Alle treffen sie ausgerechnet auf Decker? Oder zieht er sie gerade deshalb an, weil er eben gerade keinen Sex hat? Es war so anstrengend!

Ich war aber eigentlich dabei zu erzählen, warum ich das Buch anfangs mochte. Ich habe in der Schule einiges über das Judentum gelernt, ich war auch mal in einer Synagoge. Aber so viel ist ehrlich gesagt nicht hängen geblieben und ich frische mein Wissen insbesondere im religiösen und kulturellen Bereich gern auf. Decker setzt sich für Rina mit dem jüdischen Glauben auseinander. Er studiert die Tora, lernt hebräisch, nimmt regelmäßig Unterricht bei einem Rabbi. Es hat mir anfangs gefallen, Decker dabei zu begleiten. Leider war ich aber relativ schnell überfordert bzw. wurde es einfach zu viel. Jüdische Begriffe werden nicht übersetzt oder erklärt, was insbesondere die eigentlich interessanten Diskurse zwischen Decker und dem Rabbi schwer nachvollziehbar machen. Ich meine, Decker arbeitet bei der Polizei, sieht viel Leid und bearbeitet gerade den Tod eines 16-jährigen Mädchens. Natürlich fragt er sich, warum Gott so ein Leid zulässt. Natürlich macht er sich Gedanken über Gut und Böse. Seine Erfahrungen lassen sich nicht so einfach mit den Überzeugungen des Rabbi vereinbaren. Das daraus entstehende Gespräch war zwar sehr interessant, aber nur soweit ich es auch nachvollziehen konnte.

Normalerweise lege ich ein Buch sehr schnell weg, wenn ich zum ersten Mal auf den Gedanken komme, es abbrechen zu wollen. Dann ist es in der Regel einfach zu spät und ich kann mich für das Buch nicht mehr motivieren. Hier war es nicht so. Ich habe immer noch ein oder zwei Kapitel gelesen. Es versucht. Ich wollte mehr über das Judentum erfahren, ich wollte wissen wie es mit Rina und Decker weitergeht und der Fall an sich interessierte mich auch sehr. Aber es gab dann eine Szene, bei der ich das Buch mitten im Satz zugeklappt habe und nicht mehr weiterlesen wollte. 

Es geht um (Kinder-?)Pornographie. Ich habe eher wenig Probleme darüber zu lesen, vielleicht weil ich selbst keine Kinder habe. Das heißt natürlich nicht, dass ich das in irgendeiner Weise gut finde oder gern darüber lese. Es stellt nur für sich genommen für mich keinen Grund dar, ein Buch nicht (zu Ende) zu lesen. Aber: Decker und ein Kollege schauen sich Fotos von Personen beim Geschlechtsakt an. Decker findet das nicht sonderlich toll, möchte die Aufgabe so schnell es geht hinter sich bringen. Sein Kollege weist ihn darauf hin, dass das kein Problem sei. Vor der Tür stünden jede Menge Kollegen, die die Aufgabe gern von ihm übernehmen würden. Das fand ich schon sehr befremdlich, aber dann geht es weiter: eine Kollegin betritt den Raum und sagt: 

"Wißt ihr was? MacPherson hat mir angeboten, am Osterwochenende für mich Dienst zu schieben, wenn ich ihm diesen Job überlasse (...) Die Jungs sind der geilste Haufen, den ich je gesehen habe." ( S. 146) 

Über den Rest der Unterhaltung schweige ich lieber. Ich denke, ihr könnt nachvollziehen, warum ich an dieser Stelle aufgehört habe.

Kommentare:

  1. Hi Julia,

    ich kann sehr gut verstehen, warum du abgebrochen hast. Ich glaube, ich hätte nicht so lange durchgehalten. >.> Mich nervt es mittlerweile sehr, wenn Frauen ständig nur auf ihr Äußeres reduziert werden und das dann alle paar Kapitel? Nein danke. :O

    Liebe Grüße
    Alica

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Alica,

      ich muss gestehen, dass ich nicht konsequent genug bin, wenn ich solche Stereotypen entdecke. Oder das vielleicht oft auch gar nicht merke. Ich lese ja zum Beispiel gern auch New Adult oder Liebesromane und da ist das Frauenbild auch nicht immer so prickelnd. Da bin ich dann aber drauf eingestellt und suche auch nur ein leichtes Wohlfühlbuch. In anderen Büchern fällt es mir dann doch öfter auf und da kann ich das auch nicht so gut ignorieren.

      Liebe Grüße
      Julia

      Löschen
  2. Hey Julia,

    Bücher abbrechen war früher für mich ein Problem, inzwischen ist mir meine Zeit zu schade für schlechte Bücher. Ich kann so gut nachvollziehen, dass Du es abgebrochen hast! Ich hätte das auch getan - wenn nicht wie Alica noch früher.

    Ich habe kein Problem damit, wenn ein Buch (weit vor) 1990 erschien. Und ich berücksichtige das auch bei verschiedenen Aspekten. Aber alles kann es nicht entschuldigen, da hast Du auf jeden Fall Recht.

    Liebe Grüße Melli

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Melli,

      das Frauenzeug kam erst relativ spät. Vorher war es vor allem die Judenthematik, wo ich einfach nicht folgen konnte. Ich hatte ja auch noch die Hoffnung, dass es noch besser wird. War aber leider nichts :(

      Liebe Grüße
      Julia

      Löschen
  3. Liebe Julia

    Oh ja, ich kann dich so gut verstehen. Ich habe auch einmal einen ziemlich alten Liebesroman von Nora Roberts gelesen, in dem die Protagonistin sich ständig selber kleingemacht und abgewertet hat, das war schrecklich.

    Zur Sprache in deinem Buch: so hat man aber doch auch damals nicht gesprochen/beschrieben... Ich kann mir eher vorstellen, dass da von der Autorin ein wenig danebengegriffen worden ist oder dass auch einige Schnitzer beim Übersetzen nicht wirklich dazu beitragen, dass Frauen im Buch besser wegkommen.

    Ich hätte das Buch auf jeden Fall ebenfalls in die Ecke gepfeffert ;-)

    Alles Liebe an dich
    Livia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich kann mir vorstellen, dass man damals einfach noch nicht so sensibiliert für Themen wie Sexismus und Feminismus war. Daher finde ich solche Aussagen in alten Büchern grundsätzlich nicht so schlimm. Dann ist es immer noch falsch, aber eben ein Produkt dieser Zeit. In diesem Buch war es aber einfach so massiv, dass ich echt entsetzt war. Vor allem wenn ich bedenke, dass so was von einer Frau geschrieben wurde... Das ist eigentlich das schlimmste daran.

      Liebe Grüße
      Julia

      Löschen
  4. Hallo Julia,

    okay, wow, das klingt furchtbar. :o Das letzte Zitat hat mich dann doch etwas schockiert, von deinen Erzähungen, wie Frauen beschrieben und vor allem sexualisiert wurden, ganz zu schweigen ... Ich kann jedenfalls absolut verstehen, dass du es abgebrochen hast ...

    Liebe Grüße
    Dana

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo Dana,

      das Zitat hat mich auch echt schockiert, vor allem weil aus dem Kontext nicht klar hervorgeht, ob es sich nicht sogar um Kinderpornographie handelt. Und dann so eine Aussage... das geht gar nicht.

      Liebe Grüße
      Julia

      Löschen

Bitte beachtet, dass durch das Hinterlassen eines Kommentars möglicherweise Daten (z. B. IP-Adresse) gespeichert werden. Mit dem Absenden eures Kommentars erklärt ihr euch mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. Informationen zum Datenschutz findet ihr unter folgendem Link: Datenschutz.