Donnerstag, 30. Mai 2019

Rezension ~ How to be gay - James Dawson

Titel: How to be gay 
Originaltitel: This Book is Gay 
Autor: James Dawson 
Seiten: 304 Seiten 
Verlag: Fischer 
Genre: Sachbuch, LGBTQ*




Inhalt:
Schwul, lesbisch, bi, transgender, queer… Sexualität kann manchmal ganz schön verwirrend sein. In diesem Buch erfahren Jugendliche (aber auch erwachsene interessierte Leser) alles, was sie schon immer über Coming-Out, Sex, Gender, Liebe und vieles mehr wissen wollten. Der Fokus liegt dabei auf nichtheterosexuellen Beziehungen allgemein und nicht nur auf schwulen Beziehungen, wie man es vielleicht anhand des Titels vermuten könnte.

Meine Meinung:
Dieses Buch habe ich auf Instagram entdeckt und weil es dort äußerst positiv besprochen wurde, habe ich es mir näher angeschaut. Ich lese gern Bücher mit LGBTQ* Charakteren und interessiere mich auch für das Thema Genderidentität, weshalb ich gleich neugierig auf das Buch wurde. Durch das knallige Cover fällt es zudem sofort ins Auge. Den Titel finde ich leider für den deutschsprachigen Raum etwas ungünstig, da hier „gay“ überwiegend mit „schwul“ gleichgesetzt wird. Im englischsprachigen Raum bedeutet es hingegen eine gleichgeschlechtliche Beziehung sowohl zwischen Männern wie auch zwischen Frauen. Möglicherweise fühlen sich einige Leser*innen vom Titel nicht angesprochen.

Das Buch beginnt ganz am Anfang. Welche Arten von Sexualität gibt es, was versteht man darunter, woher kommt der Begriff, welche Begriffe sind politisch korrekt usw. Wie merkt man, ob man schwul, lesbisch, bi, transgender, queer oder etwas anderes ist, ist es notwendig sich in eine der Kategorien einzuordnen, wie sagt man es Freunden und Familie. Es geht um Klischees, Sex, aber auch darüber hinaus um Beziehungen, Familiengründung und vieles mehr. Von den ersten Gefühlen bis hin zu einer dauerhaften monogamen Beziehung wird also eine ganze Bandbreite an Themen geboten.

Der Erzählstil ist dabei locker, sehr humorvoll und besonders auf Jugendliche ausgerichtet. An ein oder zwei Stellen war es mir zu flapsig und ich hätte mir etwas mehr Sachlichkeit und weniger betont aufgedrehte Art gewünscht. Das ist aber Geschmackssache und ich kann mir gut vorstellen, dass der Stil bei vielen Jugendlichen gut ankommt. Dawson betont, dass es vollkommen okay ist transgender zu sein, kritisiert die zwei-Geschlechter-Haltung der Gesellschaft, fordert die Leser auf transsexuelle Personen mit dem richtigen Pronomen anzusprechen usw., zieht das aber meiner Ansicht nach nicht konsequent durch. In seinem Inhalt wird zwar Gendersensibilität sichtbar, aber nicht in seiner Sprache. Es heißt sehr oft „dein Partner“, bisweilen so oft, dass ich mich, wäre ich eine lesbische Frau, schon ein bisschen auf den Arm genommen vorkäme.

Durch Zeichnungen, Tabellen und ein, zwei kleine Aufgaben wird das Buch aufgelockert und kommt so nicht wie ein trockener Ratgeber daher. Am Ende gibt es ein Glossar, sowie hilfreiche Internetseiten und Ansprechpartner. Dieser Anhang wurde für die deutsche Übersetzung speziell angepasst, sodass es sich um Organisationen und Gruppen in Deutschland, der Schweiz und Österreich handelt. Darüber hinaus gibt es immer wieder kurze Erfahrungsberichte von realen Personen zu den jeweiligen Themen.

Das Buch richtet sich vor allem an Jugendliche, enthält aber auch am Ende ein paar kurze Worte an Erwachsene bzw. Eltern von LGBTQ* Kindern. Im Grunde fassen diese alles vorher Genannte ganz kurz zusammen und fordern dann dazu auf, dass gesamte Buch zu lesen. Aus diesem Grund hätte man sich das Kapitel meiner Meinung nach auch schenken können. Etwas problematisch finde ich, dass der Autor wiederholt dazu aufruft, Spenden an LGBTQ* Organisationen zu tätigen. Ich gehe davon aus, dass die Zielgruppe des Buches schon ein gewisses Gespür für Geld hat, finde es aber dennoch nicht so toll, dass man in einem Jugendbuch bzw. einem Ratgeber für junge Menschen diese explizit auffordert, Geld loszuwerden.

Fazit:
Ein informatives Sachbuch über alles rund um LGBTQ* Sex, Beziehungen und Liebe. Ich teile nicht alle Aussagen des Autors und fand hier und da die Sprache etwas unschön, bin aber im Großen und Ganzen angetan von der Fülle an Themen und dem Informationsgehalt des Buches. Definitiv eine Empfehlung.


Kommentare:

  1. Liebe Julia

    Das klingt doch einmal nach einem unterhaltsamen und informativen Sachbuch. Dass allerdings zum Spenden aufgerufen wird, ist doch eher befremdlich. Schön aber, dass du dieses Buch auch empfehlen kannst, obwohl du nicht mit allen Aussagen einverstanden bist, das spricht sehr für das Buch.

    Vielen Dank für den Tipp
    Livia

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    1. Hallo Livia,

      allein aufgrund des Informationsgehalts finde ich das Buch schon empfehlenswert. Zwar wusste ich viele Dinge schon (man ist mit 25 ja meist doch aufgeklärter als mit 13 oder so), aber dennoch habe ich neues erfahren und es wird wirklich eine große Bandbreite an Themen abgedeckt.

      Liebe Grüße
      Julia

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