Dienstag, 1. Januar 2019

Rezension ~ Der englische Botaniker - Nicole C. Vosseler

Titel: Der englische Botaniker 
Autorin: Nicole C. Vosseler 
Seiten: 501 Seiten 
Verlag: HarperCollins 
Genre: Roman, Historisch, China





Inhalt:
1843: der englische Botaniker Robert Fortune wird nach China geschickt, um Pflanzen zu sammeln und nach England zu schicken. Besonders der Teeanbau weckt sein Interesse. Auf seiner Reise begegnet er der Schwertkämpferin und jianghu Lian, die ihn auf ganz besondere Weise berührt. Sie beide lernen voneinander und erleben eine Reise, die sie so nie erwartet hatten.

(Zugegeben, meine Zusammenfassung liest sich stümperhaft. Aber der Verlagstext ist meiner Meinung nach schlicht falsch. Es fängt mit der Kleinigkeit an, dass Robert nicht nur einen Sohn, sondern auch eine Tochter hat und geht weiter mit der Aussage, dass Lian Fortune das kategorisieren von Tee und Pflanzen lehrt. Fortune ist der Botaniker und lehrt Lian Pflanzenkunde, nicht umgekehrt.)

Meine Meinung:
Ich brauchte eine Weile, um in das Buch hineinzufinden. Der Leser muss sich erst orientieren, da man sich in einer ganz anderen Zeit, an einem ganz anderen Ort wiederfindet. Außerdem gibt es zwei bzw. drei Perspektiven und einen Briefwechsel, sodass man sich auch darüber klar werden muss, wer von wem was erwartet. Nachdem ich mir über die Ausgangssituation klar war, fiel mir das Lesen leichter und ich hatte großen Spaß an der Geschichte.

Inhaltlich passiert gar nicht so viel oder zumindest wirkt es rückblickend so, weil das was passiert eher ruhiger Natur ist. Der Titel verrät schon, dass es um Botanik geht. Da kann man sich vielleicht vorstellen, dass die Geschichte eher behutsam erzählt wird, so wie man eben auch mit kleinen Pflänzchen umgeht. Das soll aber keineswegs heißen, dass die Geschichte langweilig ist. Man lernt mit Fortune eine ganz neue, fremde Welt kennen. Damals konnte man nicht in ein paar Stunden an ans andere Ende der Welt reisen, sodass man keine Ahnung hatte, wie es in einem fremden Land aussieht. Durch und mit Fortune lernen wir ein vergangenes China kennen, erfahren etwas über die (Tee-)Kultur, die Pflanzenwelt und auch über die Chinesen. Aber durch seine Begleiter Wang und Lian und seine Frau Jane, erfahren wir auch etwas über das vergangene England bzw. die Sicht der Chinesen darauf. Durch die Perspektivwechsel zwischen Fortune, Lian und Jane und den Briefwechsel zwischen England und China, bekommt man einen umfassenden Überblick über Fortunes Auftrag und seine Beziehung zu seiner Familie.

Der Schreibstil der Autorin hat mir ganz wunderbar gefallen. Ich war mitten in der Geschichte und musste einfach immer weiterlesen. Er ist nicht zu modern, schließlich spielt das Buch 1843 und später. Auf der anderen Seite ist er auch nicht zu altertümlich, sodass man keine Mühe hat die Briefe oder Fortunes Tagebücher zu entschlüsseln. Da es hier um Botanik geht, muss man sich bewusst machen, dass einem lateinische Pflanzennamen um die Ohren gehauen werden. Mich störte das aber gar nicht, weil es die Geschichte einerseits ausmacht und mir andererseits auch die deutschen Bezeichnungen nichts genutzt hätten. Ob dann also von einer Tiger-Lilie oder einer Lilium lancifolium die Rede ist, macht für mich kaum einen Unterschied. Manchmal habe ich Pflanzen nachgeschlagen, zum Beispiel wenn sie als Vergleich für jemandes Augenfarbe dienten und manchmal habe ich den Namen einfach hingenommen. Das hat gut funktioniert.

Über das Ende habe ich mir ein bisschen Sorgen gemacht, da ich wusste, dass das Buch eine kleine Liebesgeschichte enthält. Lasst euch davon aber bitte nicht abschrecken. Ich hatte so meine Wünsche wie die Liebesgeschichte ausgeht. Im Laufe der Geschichte hat sich dieser Wunsch verändert und irgendwann wollte ich einfach gar nicht mehr, dass die Geschichte endet, weil ich wusste, dass mich kein Ende zufrieden machen wird. Letztendlich finde ich das Ende sehr gelungen und schön, aber ich bin aus einem bestimmten Grund nicht ganz zufrieden. Dazu muss aber gesagt werden, dass es vermutlich kein Ende gibt, mit dem ich vollkommen glücklich gewesen wäre. Aber das ist okay, weil es die Geschichte nicht hergibt.

Fazit:
Viel geschrieben, nichts gesagt. Es ist schwer in Worte zu fassen, was mir an der Geschichte so gefällt. Es ist der Schreibstil, es ist die Geschichte, es sind die Charaktere. Es ist die Tatsache, dass es eine ganz andere Geschichte ist. Mir fällt niemand ein, dem ich das Buch konkret empfehlen kann oder würde. Dazu ist das Buch zu besonders. Ich weiß nicht, wem aus meinem Freundes- und Bloggerkreis das Buch gefallen könnte. Aber ich möchte euch alle darauf aufmerksam machen und vielleicht spricht den ein oder anderen dieses Buch an. 


Kommentare:

  1. Hey Julia,
    als ich in Deiner Insta-Story gesehen habe, dass du es als Jahreshighlight bezeichnest, ist es gleich auf meine Wunschliste gewandert. Deine Rezension bestätigt mir das.
    Über China und die Teekultur habe ich noch so gut wie nichts gelesen und das ist so eine Lücke, die ich mal schließen möchte.
    Mh. Irgendwie bräuchte ich zwei Leben, um alles zu lesen, was ich noch vorhabe :D
    Mal sehen, wann es einziehen darf und wann ich es dann entdecke.
    Liebe Grüße Melli

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    1. Es freut mich, dass es das Buch auf deine Wunschliste geschafft hat :)
      Ich weiß nicht, ob ich mit zwei Leben hinkommen würde :D

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  2. Hallo liebe Julia

    Wow, so schön, eine Rezension, bei der man richtig merkt, wie du um Worte ringst und doch so gut ausdrücken kannst, wie dir das Buch gefallen hat. Ich bin mir ziemlich sicher, dass mir dieses Buch sehr gut gefallen könnte und packe es mir einmal auf meine Liste und denke dann an dich, wenn ich ein wenig Platz in meinen Regalen habe ;-)

    Alles Liebe dir
    Livia

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    1. Hallo Livia,

      ich danke dir sehr für deinen Kommentar. Es freut mich, dass ich wenigstens einigermaßen meine Begeisterung rüberbringen konnte.
      Schön, dass es auf deiner Wunschliste gelandet ist.

      Liebe Grüße
      Julia

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