Sonntag, 5. August 2018

Abgebrochen & Angelesen #6

Hallo zusammen,

es geht weiter mit der nächsten Runde "Abgebrochen & Angelesen". Ich will es nicht verschreien, aber bisher habe ich in diesem Jahr im Vergleich zum letzten Jahr wesentlich weniger abgebrochen. Das liegt aber auch sicher daran, dass ich im letzten Jahr die alten "geerbten" Bücher gelesen habe und dieses Jahr fast nur noch Bücher auf meinem SuB sind, die ich mir selbst gewünscht/gekauft/getauscht... habe.

"Sieben Gefangene sind aus dem Konzentrationslager Westhofen geflohen, aber nur einer erreicht das rettende Ufer. Auf seinem Fluchtweg trifft Georg Heisler auf Männer und Frauen, die sich entscheiden müssen zwischen Verrat und Treue, egoistischer Abkehr und Mitmenschlichkeit, Denunziation und Solidarität. Anna Seghers schrieb ihren berühmten Roman in Paris, einer Zwischenstation auf ihrer lebensgefährlichen Flucht vor den Nazis ins Exil, mit der Souveränität einer Schriftstellerin von Weltrang und einer Klarsicht, die die Lektüre bis heute zur tief berührenden existenziellen Erfahrung macht. Der Text ist durchdrungen von Seghers’ eigenen Erfahrungen und dem inneren Bild ihrer rheinhessischen Heimat."(Quelle: Verlagsseite)
Abgebrochen auf S.210/433 


Dieses Buch habe ich gemeinsam mit ein paar Mädels in einer Leserunde angefangen. Leider hat es mir nicht gefallen, sodass ich mich nach der Hälfte zum Abbrechen entschieden habe. Ich bin nur sehr schwer in die Geschichte gekommen und hatte gerade zu Anfang große Schwierigkeiten zwischen tatsächlicher Handlung und Gedanken zu unterscheiden. Plötzlich war der Protagonist in einer Hütte und klaute Kleidung und ich hatte gar nicht mitbekommen wie er in die Hütte gekommen war. Anfangs dachte ich, dass ich vielleicht zu viele andere Dinge im Kopf habe um der Geschichte folgen zu können. Im zweiten Abschnitt hatte ich dann mehr Ruhe, aber dann fiel mir auf, wie langweilig die Handlung ist. Zwischendrin musste ich einige Zeit pausieren und ich hatte überhaupt kein Bedürfnis nach dem Buch zu greifen und habe es nicht vermisst. Als ich dann wieder Zeit hatte, habe ich es nochmal mit dem Buch versucht, aber nach einer Seite gemerkt, dass es einfach nichts wird. Ich habe das Buch also nach 3 von 7 Abschnitten in die das Buch eingeteilt ist abgebrochen. Das Buch wird übrigens als Schullektüre verwendet. Zum Glück habe ich das nicht lesen müssen.

"Georgia Green hat zwar keinen Verlobten mehr, dafür aber einen triftigen Grund, um nun ihrem Fernweh nachzugeben. Nachdem ihre Hochzeit geplatzt ist, verkauft sie ihr Haus, kündigt ihren Job und schnallt sich zum ersten Mal im Leben einen Rucksack um. In Thailand findet sie allerdings statt der erhofften Erkenntnis zunächst nur Mehrbettzimmer, Ungeziefer und extrascharfes Essen – aber auch ein paar unwiderstehliche Reisebegleiter. Und vor allem lernt Georgia, auf wie vielen Wegen das Glück zu erreichen ist." (Quelle: Verlagsseite)
Abgebrochen auf S. 156/395 


 Das Cover finde ich wunderschön. Es erzeugt bei mir gleich Sommer- und Urlaubsstimmung und dieses kristallklare Wasser an weißem Sandstrand... toll. Leider kann ich das vom Inhalt nicht behaupten. Mit Georgia bin ich die ganze Zeit nicht so richtig war geworden, aber das war nicht der Grund für den Abbruch. Dadurch habe ich das Buch zwar nur als mittelmäßig empfunden, aber nur deswegen hätte ich nicht aufgehört. Mein Problem waren vor allem die anderen Charaktere. Ich habe selten so einen Haufen unsympathischer Menschen erlebt. Die Reisegruppe besteht aus dem Reiseleiter Kit, der ein totaler Abzocker ist. Pierre + Anhang, wobei Pierre grundsätzlich gegen alles ist, vor allem wenn es auch nur den Anschein macht gefährlich oder nicht steril zu sein. Drei Jungs, deren Motto "Sex, Drugs and Rock'nRoll" lauten könnte und zwei Mädels, die gehässig und schickimicki sind. Falls noch weitere Personen in der Gruppe waren, hab ich sie verdrängt.

Es gibt eine Szene an einem Imbissstand in Thailand. Verkauft werden gegrille Insekten. Die Jungs piesacken die Mädels sie würden sich nicht trauen die Insekten zu essen. Eins der Mädchen will es den Jungs zeigen, bittet Georgia (die von besagtem Mädel übrigens konsequent Georgina genannt wird) Geld vorzustrecken und kauft zwei Insektenspieße. Dann zählt sie an und Georgia überwindet sich, während das Mädchen daneben steht und lacht, weil sie natürlich nicht abgebissen hat. Und das ist nur ein Beispiel der Respektlosigkeit.

Dann eine Szene auf einem Partyboot. Eine Gruppe Fremder kommt auf Georgia zu und behauptet, sie hätte eine Trinkregel verletzt, die besagt, dass wenn man ein volles Glas in der linken Hand trägt, man es exen muss. Georgia, die schon einen Kater vom Vorabend hat, will eigentlich nicht und hat stark verwässerten Vodka im Becher (antialkoholische Getränke gibt es nicht). Die Gruppe lässt nicht locker, wird laut, macht alle auf die Oma Georgia aufmerksam, sodass sie sich genötigt fühlt zu exen.

Ich weiß nicht, was die Autorin damit erreichen wollte, aber bei mir erzeugt das nur Widerwillen und Unlust. Ich habe mich auf eine schöne Sommerlektüre gefreut und wollte nichts über respektlose, jede Erziehung vermissende Idioten lesen.

"Ich hatte mir eben eine Gabel voll Curry in den Mund gestopft, als dieser sonnengebräunte Leckerbissen von einem Mann meinen Blick kreuzte und mir ein Lächeln zuwarf, dass mir fast die Eierstöcke explodierten." (Nächster Halt: Thailand - Katy Colins S. 145).



Kommentare:

  1. Huhu Julia!

    Ich glaube, "Das siebte Kreuz" habe ich sogar gelesen, aber das ist EWIG her und ich weiß nicht mehr, wie ich es fand... Irgendwie schwant mir so, dass das bei uns Schullektüre war.

    Die Charaktere in "Lonely Hearts Travel Club" klingen in der Tat ziemlich unsympathisch, da hätte ich wohl auch keine Lust drauf gehabt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,

      "Das siebte Kreuz" scheinen wirklich viele gelesen zu haben. Ich hatte vorher noch nie davon gehört.

      Mit "Lonely Hearts Travel Club" ist es wirklich Schade. Das hätte eine tolle Geschichte werden können.

      Liebe Grüße
      Julia

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  2. Hey Julia,
    ich kann dich gut verstehen. Die beiden Bücher hätte ich vielleicht auch abgebrochen - das zweite in jedem Fall. Bei dem Zitat kann ich nur mit dem Kopf schütteln und hätte das Buch wohl spätestens dann an die Wand geworfen :D Ich frage mich immer, was sich (vor allem AutorINNEN) bei solchen Szenen denken.

    "Das siebte Kreuz" war bei mir nicht Schullektüre, dafür durfte ich mich mit anderen Werken rumschlagen :D Ich finde sowieso, dass das mal überarbeitet werden sollte. Es gibt so viele gute zeitgenössische Literatur, bei der uns der Autor was zu sagen hat!
    Liebe Grüße Melli

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    1. Hallo Melli,

      ich lese ja mittlerweile viel New Adult/Erotik/Liebesgeschichten und da sind einige Aussagen schon bedenklich. Ich darf mich also eigentlich nicht beschweren. Aber hier war es so offensichtlich dämlich und plump, dass ich echt keine Lust mehr hatte :D

      Da stimme ich dir absolut zu. Ich glaube ein Problem ist, dass man denkt "2. WK, Krieg, deutsche Geschichte, wichtiges Thema. Lesen." Aber keiner kommt mal auf die Idee, dass man auch mal ein Buch über den Syrienkonflikt lesen könnte. Das ist doch auch ein wichtiges Thema, das ist aktuell und es hat auch etwas mit Deutschland zu tun. Anders natürlich als der 2. WK, das ist klar, aber es wäre mal was modernes und interessantes.

      Liebe Grüße
      Julia

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    2. Ja, das wäre auch eine Idee, Thema Syrienkonflikt. Und wenn es schon der Zweite Weltkrieg sein muss, dann kann man doch z. B. "Die Bücherdiebin" lesen. Die ist zumindest altersgerechter und vielleicht auch interessanter für Jugendliche. Klar sind auch Klassiker wichtig, aber im Deutschunterricht werden die Werke immer so zerpflückt, dass es auch keinen Spaß mehr macht.
      Liebe Grüße!

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    3. Eben. Ich finde es zwar auch wichtig, Bücher aus unterschiedlichen Epochen zu lesen. Allein damit man sieht, wie sich Literatur verändert. Aber man muss ja nicht nur Literatur vor 1950 lesen.

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