Sonntag, 10. August 2014

Rezension ~ Bodycaught

Quelle: Homepage der Autorin
Titel: Bodycaught
Autorin: Chris P. Rolls
Seiten: 592 Seiten
Genre: Gay Romance&Crime







Warnung:
Gewalt und Vergewaltigung als Thema. Explizite homoerotische Szenen

Inhalt:
Nach seinem missglückten Outing vor seiner Mutter sucht Alec woanders nach Liebe und Geborgenheit. Er ist 20 Jahre alt, schwul und noch Jungfrau. Um dies zu ändern, besucht er das Gaytronic, einen Szeneclub in Hamburg und trifft dort auf den äußerst charmanten und attraktiven Adrian Adson. Dieser interessiert sich sogleich für Alec und nimmt diesen mit in seine Villa. Er verspricht dem jungen Studenten ihn nie wieder gehen zu lassen, für ihn zu sorgen und ihn vor allen und allem zu beschützen. Was anfangs wie süße Schmeicheleien klingt, wird bald zur bitteren Wahrheit. Adrian hält Alec fest und erst nach Monaten wird er durch den Polizisten Mike befreit. Mike ist (eigentlich) überzeugter Hetero und interessiert sich dennoch auffallend für Alec, der Unterstützung dringend nötig hat. Psychisch und physisch ist dieser schwer angeschlagen und dann läuft auch noch Adrian frei herum, der sein Versprechen unbedingt einhalten will.

Meine Meinung:
Von mehreren Seiten ist mir dieses Buch wärmstens empfohlen worden, weshalb ich als Belohnung für eine langwierige Projektarbeit zugegriffen habe. Meine Erwartungen sind nicht ganz erfüllt worden, da mir das gewisse Etwas leider gefehlt hat.

Alec ist ein starker Charakter, der sich auch durch seine schlimmen Erlebnisse nicht lange aus der Bahn werfen lässt. Natürlich beeinflusst die Gefangenschaft seine Psyche, er hat Angstzustände, Panikattacken und Mangelerscheinungen. Dennoch merkt man ihm seine Willenskraft an, er möchte Adrian nicht über sich und sein Leben siegen lassen. Seine Überwindung auch nur einen Schritt aus dem Haus zu gehen, die Fokussierung auf die nächste Straßenlaterne, jeder Schritt der einfacher zu bewältigen ist als der Letzte – man konnte seine Anspannung wirklich deutlich fühlen. Durch seinen Psychiater Doktor Goedhard bekam man als Leser einige Einblicke in die menschliche Psyche, was mir wirklich gut gefallen hat.

Mike ist einfach ein sympathischer Mensch. Zu ihm kann ich gar nicht so viel sagen, weil er sehr normal ist. Er könnte auch mein Nachbar sein. Das finde ich wirklich sehr gut, weil es authentisch ist, gibt aber für diese Rezension nicht viel her ;)

Großartig und unbedingt zu erwähnen sind die Nebencharaktere in Bodycaught. Das Buch lebt von diesen Nebenfiguren. Darüber könnte ich eigens eine Abhandlung schreiben :)
Da sind zum einen George und Phily. George ist ein Kollege von Mike, über zwei Meter groß und der einzige auf dem Revier der offen homosexuell lebt. Traut sich ja auch keiner ihn deswegen zu verachten. Phily ist sein Freund, noch größer, noch schwerer, noch furchteinflößender und ein Teddybär. Er hat einen Blumenladen, gibt allen Leuten gerne Kosenamen und ist einfach wunderbar.
Außerdem gibt es da noch Tom und Ricky. Tom ist mein absoluter Lieblingscharakter. Nach seiner Befreiung beginnt Alec auf einem Reiterhof zu arbeiten, dessen Leiterin auch Therapiestunden anbietet. Tom, 15 Jahre alt, ist ein ehemaliger Drogenjunkie und Stricher, der an dem Therapieprogramm teilnehmen muss. Er tut immer sehr machomäßig, ist aber im Grunde seines Herzens ein ganz sensibler und loyaler Mensch. Ricky ist das genaue Gegenteil. Schrill, auffällig und stockschwul. Er hat einen starken Hang zur Dramaqueen und studiert Psychologie. Ricky war mir ein bisschen zu Klischeemäßig, zu bunt, zu laut, zu nah am Wasser gebaut. Einfach insgesamt zu viel.

Die Handlung ist spannend, auch wenn einige Sachen nicht überraschen dürften. Zwischendurch hatte ich Sorgen, dass das Buch zu lang sein könnte, da zwischen Mike und Alec ziemlich schnell alles geklärt ist, aber bis auf kleine Szene die vielleicht mit weniger Sätzen ausgekommen wären, sind meine Befürchtungen nicht eingetreten. Insgesamt ist die Länge in Ordnung.
Warum ich nicht die volle Punktzahl geben möchte, liegt nicht an einem großen Kritikpunkt, sondern viel mehr an mehreren Kleinigkeiten, die einfach verhindern, dass das Buch für mich einen Wow-Effekt auslöst.
Es beginnt mit dem Stil der Geschichte. Man erfährt sowohl aus der Sicht von Alec als auch aus der Sicht von Mike was passiert, doch die Wechsel werden nicht angekündigt. Man merkt zwar schnell in welcher Perspektive man sich gerade befindet, aber ich hätte mir doch eine Kennzeichnung gewünscht. Außerdem gibt es an einer Stelle einen Zeitsprung von vier Jahren, den ich persönlich auch lieber vor dem Kapitel angekündigt hätte haben wollen.
Hin und wieder wiederholen sich einige Ausdrücke, was mich vor allem gestört hat, wenn sie direkt nacheinander kamen (Beispielsweise: „Bitte...“, flüstere ich, kaum hörbar. Um was bitte ich eigentlich?“ S. 551).
Außerdem sind mir kleinere Logikfehler aufgefallen, zum Beispiel heißt der Club in dem Adrian und Alec sich kennen gelernt haben „Gaytronic“. Später erzählt Tom Alec, dass er mit Ricky in einem Club war, dem Gaytronic. Alec zeigt sich erleichtert, dass die beiden nicht in dem Club waren, indem er von Adrian angesprochen wurde.
Ich möchte nochmal betonen, dass es wirklich für sich genommen nur Kleinigkeiten waren, die Fehler ziehen sich nicht durch das ganze Buch. Insgesamt sind das für mich dann aber keine vollen fünf Punkte.

Fazit:
Ein spannender homoerotischer Romance&Crime Roman. Klasse Hauptcharaktere und noch bessere Nebencharaktere, die das Buch wirklich lesenswert machen. Man sollte sich jedoch der Thematik bewusst sein, dem Hauptcharaktere wird physische und psychische Gewalt angetan. 

 4/5 Punkte

Hinweis: Es gibt eine Kurzgeschichte mit dem Titel "Pink" zu kaufen, die von Ricky und Tom handelt.

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