Montag, 9. Oktober 2017

Rezension ~ Das Schweigen in meinem Kopf

Titel: Das Schweigen in meinem Kopf
Originaltitel: Silent
Autorin: Kim Hood
Seiten: 288 Seiten
Verlag: cbj
Genre: Jugendbuch, Freundschaft


 
Inhalt:
Die 13-jährige Jo hat mit so manchen Problemen zu kämpfen. Ihre Mutter hat psychische Probleme, wodurch Jo sehr einsam und isoliert ist, weil die Mitschüler sie meiden. In der Schule lernt sie den fünfzehnjährigen Chris kennen, der an Zerebralparese leidet. Er sitzt im Rollstuhl, hat Muskelkrämpfe und braucht bei vielen Dingen Hilfe. In ihm hat Jo endlich jemanden gefunden mit dem sie reden kann, auch wenn es so scheint, als könnte Chris nicht mit ihr kommunizieren oder auch nur verstehen was sie sagt. Aber vielleicht bekommt er doch mehr mit, als man denkt? Und wer hilft am Ende eigentlich wem? Jo Chris, oder vielleicht ist es doch eher Chris, der Jo hilft?

Meine Meinung:

Ich hatte zu Beginn ein bisschen Sorge, dass ich der Zielgruppe des Buches entwachsen bin. Jo ist immerhin erst 13 Jahre alt und damit deutlich jünger als ich. Ich dachte, dass sie mir vielleicht zu kindlich ist und ich ihre Handlungsweisen nicht verstehen kann. Letztendlich waren meine Sorgen vollkommen unbegründet. Über weite Teile merkt man Jo ihr Alter nicht an, wenn man mal davon absieht, dass in der ganzen Geschichte keine romantischen Gefühle auftauchen. Das ist in Jugendbüchern ja doch eher selten und deutet daher auf junge Protagonisten.

Erst gegen Ende tut Jo Dinge, über die sie überhaupt nicht nachgedacht hat. Sie bemerkt ein Problem und geht dieses Problem an, ohne zwei Schritte voraus zu denken. Ein älterer Protagonist würde hier vielleicht weitreichendere Konsequenzen bedenken können als Jo. Das war aber überhaupt kein Problem, denn obwohl man als Leser weiß das Jos Idee nicht durchdacht ist und sie etwas vollkommen missverstanden hat, kann man sie verstehen. Für mich war ihr Handeln nachvollziehbar und ich habe mich nie gefragt, warum sie jetzt diesen Blödsinn macht.

Jo hat einen sehr wichtigen Charakterzug, den die Autorin in ihrem Nachwort nochmal aufgreift. Sie setzt nichts stillschweigend voraus. Jeder sagt zu ihr, dass Chris sie nicht verstehen kann. Dass er geistig zurückgeblieben ist. Sicher, am Anfang geht sie auch davon aus, aber dann spürt sie, dass Chris viel mehr mitbekommt, als es den Anschein hat. Und dann bemüht sie sich Chris zu verstehen, seine Wünsche zu respektieren, auch wenn das anfangs gar nicht leicht ist, da Chris nicht auf herkömmliche Art und Weise kommunizieren kann. Immer wieder sagt sie zu Chris: „Ich höre dich.“

„Es ist ja nicht so, dass jemand, der nicht superintelligent ist oder sich vielleicht nicht mit Worten ausdrücken kann, nicht in der Lage wäre, einen wissen zu lassen, wie er sich fühlt. Man muss nur zuhören, richtig hinhören.“ (S. 159 Ebook)

Ich könnte noch so viel mehr über Jo und ihre Familie schreiben. Oder über ihre Beziehung zu Chris. Aber ihr solltet Jo selbst kennen lernen. Sicher, die Geschichte ist an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas idealistisch. Es fügt sich alles zusammen und jedem ist am Ende geholfen. Aber ich finde das geht in Ordnung, weil Jo und Chris das verdient haben.

Fazit:
Eine wundervolle Geschichte. Man merkt, dass die Geschichte für jüngere Leser geschrieben ist. Die Protagonistin ist erst 13 Jahre alt und es ist besonders am Ende sehr idealistisch und happy. Aber das heißt nicht, dass man nicht trotzdem Gefallen an dem Buch finden kann. Man darf es eben nur nicht wie einen Roman für (junge) Erwachsene lesen. Ich empfehle das Buch jedem, der sich darauf einlassen kann, jedem, der Geschichte über besondere Charaktere sucht.


Kommentare:

  1. Hallo liebe Julia:)
    Ich finde solche Bücher richtig toll. Ich persönlich habe überhaupt keine Probleme mich in Bücher hineinzuversetzen die eigentlich für die jüngere Generation ist :)
    Ich freue mich, dass du das Buch so gut bewertet hast und so schöne Lesestunden damit verbracht hast.
    Herzliche Grüße und einen wundervollen Abend
    Andrea

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    1. Hey Andrea,

      ich meistens auch nicht, manchmal kommt es aber leider doch vor. Hängt aber wahrscheinlich auch vom Inhalt ab. So Detektivgeschichten wie TKKG usw sind weniger ein Problem als solche, in denen es um das Leben der Personen geht.

      Liebe Grüße
      Julia

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  2. Huhu!

    Das klingt nach einem wunderbaren Buch! Als es mir bei den Neuerscheinungen aufgefallen ist, hatte ich gehofft, dass die Geschichte gut geschrieben ist – Charaktere mit Behinderungen werden leider beileibe nicht immer gut geschrieben! Ich habe selber eine Schwerbehinderung, wenn auch keine so drastische, und habe schon Bücher gelesen, bei denen ich vor Wut hätte heulen können, weil diese Schwerbehinderung vollkommen falsch dargestellt wurde... Gerade bei Kinder- und Jugendbüchern finde ich es sehr wichtig, dass solche Themen gut recherchiert und sensibel behandelt werden.

    Ich habe deinen Beitrag HIER für meine Kreuzfahrt durchs Meer der Buchblogs verlinkt!

    LG,
    Mikka

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    1. Hallo Mikka,

      ich kann mir gut vorstellen, dass dich manche Beschreibungen sehr wütend machen. Mir geht es oft so, wenn über schüchterne Charaktere geschrieben wird. Ich selbst bin eher introvertiert und schüchtern und mich nervt das, wenn das in Büchern so negativ dargestellt wird. So als müsste sich jeder Schüchterne unbedingt extrovertiert werden, weil alles andere schlecht ist.

      Ich selbst kann nur schwer beurteilen, ob Chris Behinderung treffend und sensibel beschrieben wurde. Da die Autorin im Nachwort aber erzählt, dass sie recherchier hat und ich glaube auch jemanden mit Zerebralparese kennt, gehe ich davon aus, dass es vernünftig dargestellt wurde.

      Danke fürs Verlinken!
      Liebe Grüße
      Julia

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