Sonntag, 26. Februar 2017

Rezension ~ Die stille Seite der Musik

Titel: Die stille Seite der Musik
Autorin: Svea Lundberg
Seiten: ca. 272 Seiten
Verlag: Traumtänzer Verlag
Genre: Gayromance, Handicap




Inhalt:
Eigentlich strebt der 19-jährige Tino eine Karriere als Pianist an. Doch nach einem Autounfall ist seine linke Hand verletzt, sodass alle Pläne über den Haufen geworfen sind. In seinem Erholungsurlaub auf Fehmarn lernt er den gehörlosen Flo kennen, der so ganz anders mit seiner Einschränkung umgeht als Tino selbst. Und – Moment mal! Ist die Gehörlosigkeit überhaupt eine Einschränkung?


Meine Meinung:
Pferde und Musik. Zwei Komponenten des Buches, die in meiner Welt kaum bis gar nicht vorkommen. Ich lese aber immer wieder gern Bücher in denen die Protagonisten nicht 08/15 sind, sodass mich das Buch sehr interessiert hat. Trotz Pferdehof und Klassik.

Die ersten zwei, drei Seiten habe ich gezögert und gezweifelt, weil Tino schon sehr mit Komponisten und ihren Werken um sich schmeißt. Es las sich für mich daher wie ein Lückentext. Allerdings hörte das recht schnell wieder auf und selbst wenn nicht, wäre es mir vermutlich auch egal gewesen. Die Autorin, anderen vielleicht bekannt unter ihrem Klarnamen Julia Fränkle , hat mich mit ihrem Schreibstil so ans Buch gefesselt, dass mir auch die Klaviersonaten egal waren. Sie hat eine ganz wunderbare, ruhige Art die Geschichte zu erzählen, was für mich auch super zum Ambiente gepasst hat. Ein Reiterhof auf Fehmarn, Wind, Wasser, Wellen, Strand, Dünen – einmal Urlaub ohne Rückfahrt bitte. 

Tino macht in diesem Roman eine deutliche Entwicklung durch, was mir sehr gut gefallen hat. Anfangs ist er wütend und irgendwie ziel- und orientierungslos, weil er plötzlich vor dem Nichts steht. Mit 19 stehen einem alle Türen offen? Vielleicht. Aber wenn man sich von Kindesbeinen an auf eine Tür konzentriert, die einem vor der Nase zugeschlagen wird kaum das man kurz davor steht – dann kann man schon mal die offenen Türen rechts und links vergessen. Ich mochte gern, wie er sich verändert, seine Verletzung akzeptiert und über einige Dinge nachdenkt. Mit einem Tag Abstand zur Geschichte, hätte ich mir vielleicht noch ein bisschen mehr Reflektion über einen Aspekt gewünscht, aber insgesamt hat er mir schon sehr gut gefallen.

Flo. Ja, was soll ich zu ihm sagen. Er ist ein toller Mensch, von dem man auch oder gerade als Hörender noch einiges lernen kann. Besonders mochte ich ihn in den Momenten, in denen er Tino seine Welt erklärt hat. In denen er versucht deutlich zu machen, dass er nicht benachteiligt ist, nur weil er nicht hören kann. Er liefert immer wieder Stoff zum Nachdenken.

Die Handlung war eher ruhig, mit nur kleinen Aufregern zwischendrin. Wie aber schon beim Schreibstil erwähnt, passte das einfach zu dem Inselfeeling. Gegen Ende entwickelte sich das Buch in eine Richtung, die mich wahnsinnig gestört hat. Aber es war keineswegs eine Situation, die unrealistisch war und wegen der man enttäuscht oder genervt seine Bewertung abändern müsste. Es war vielmehr frustrierend, weil ich mir für die Protagonisten etwas anderes gewünscht und erhofft hätte. Aber ich wurde dann doch wieder getröstet :) Und dieses Mitfiebern macht ja durchaus ein gutes Buch aus.

Mir haben auch einige Sachen nicht gefallen, das waren aber überwiegend Kleinigkeiten, die ich gar nicht breittreten möchte. Am meisten gestört hat mich mal wieder die Zeitachse. Ich will euch nicht mit den Details langweilen, aber wenn Tino vor dem Sommeransturm auf Fehmarn ist und ein halbes Jahr später Abiturprüfungen hat, dann stimmt da was nicht. Die Bayern machen zwar vieles anders (ich als Exil-Franke darf das sagen ;)), aber auch hier schreibt man im Herbst/Winter keine Abiturklausuren. 

Fazit:
Ein wunderbarer Roman, über die Liebe zu sich selbst und vor allem darüber, dass die anderen einen für Dinge schätzen, die man an sich selbst vielleicht nicht mag. Unbedingt lesen, weil… einfach weil.



Kommentare:

  1. Hallo Julia, :)
    das klingt nach einem tollen Buch. :) Der Inhalt spricht mich zumindest an und ich werde es mir mal notieren. :)
    Das mit der Zeit würde mich wohl auch stören, aber wenn es nicht überhand nimmt mit den Logikfehlern, dann geht das noch. :)
    Dein Fazit spricht mich auf jeden Fall sehr an. :)

    Liebe Grüße
    Marina

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    1. Hey,

      sorry, dass es mit der Antwort was gedauert hat. Hatte schon mal was geschrieben, aber das ist verschwunden :/

      Ich wünsche dir viel Spaß damit, falls es bei dir einzieht. :)

      Du siehst ja, ich hab für die Zeitachse keinen Big Ben abgezogen, auch wenn es mich schon gestört hat. Man kann es eigentlich ganz leicht lösen/vermeiden, wenn man sich notiert wann Tino auf Fehmarn ankommt und wann er Abitur macht. Das da eine Angabe von "sechs Monate später" nicht passt, merkt man dann schnell. Insofern ist es nervig, weil leicht vermeidbar, aber da es an der Geschichte nichts ändert, hab ich dann doch nichts abgezogen.

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