Dienstag, 27. September 2016

Rezension ~ Vom Winde verweht

Titel: Vom Winde verweht
Originaltitel: Gone with the Wind
Autorin: Margaret Mitchell
[Reihe: Scarlett O'Hara #1]
Seiten: 916 Seiten
Verlag: Claassen Verlag
Genre: Klassiker, Liebe, Krieg

Inhalt:
Scarlett O’Hara wächst behütet auf Tara, der Baumwollplantage ihres Vaters, heran. Arbeit, Not und Hunger kennt sie nicht, denn in ihrem Leben dreht sich alles um den nächsten Ball und ihre zahlreichen Verehrer. Als der Krieg ausbricht, sieht Scarlett sich mit bisher unbekannten Problemen konfrontiert, doch ihre Starrköpfigkeit und nicht zuletzt der berühmt und vor allem berüchtigte Rhett Butler, bringen sie auch durch schlechte Zeiten.

Meine Meinung:

Meine Mutter liebt diesen Klassiker, was allein schon meine Neugier geweckt hat. Außerdem weiß jeder, dass die Verfilmung unglaublich berühmt ist, aber viele wissen vermutlich nicht worum es überhaupt geht. Ich jedenfalls nicht, weshalb ich diesen Klassiker unbedingt entdecken wollte.

Meine Inhaltsbeschreibung wird der vielschichtigen Handlung nicht gerecht, zumal der Zeitraum mehr als 10 Jahre umfasst. Wie soll man da einigermaßen den Inhalt zusammenfassen können, sodass jeder entscheiden kann, ob das Buch etwas für einen ist, oder nicht?

Im Mittelpunkt des ganzen Buches steht klar Scarlett O’Hara. Zu Beginn der Geschichte ist sie 16 Jahre alt und damit im besten Heiratsalter. Am Ende ist sie 28. Es gab nur wenige Szenen, wenn ich recht überlege, eigentlich nur eine einzige, in der mir Scarlett sympathisch war. Ja, richtig gelesen. Etwa 910 von 916 Seiten, mochte ich Scarlett nicht. Sie ist ekelhaft zu ihren Mitmenschen, eifersüchtig, besitzergreifend, hinterhältig, neidisch und launisch. Außerdem misst sie mit zweierlei Maß. Was für sie gilt, gilt noch lang nicht für andere Menschen. Andere vor den Kopf stoßen, das kann sie. Aber Kritik an ihrem Handeln? Wo gibt es denn so was?

Auch wenn er manchmal über weite Passagen nicht auftaucht, ist der zweite wichtige Charakter wohl Rhett Butler. Er hat mich nicht ganz so genervt wie Scarlett, aber einen positiven Moment konnte er mir auch nicht entlocken. Er liebt es, andere Leute im Allgemeinen und Scarlett im Besonderen vor den Kopf zu stoßen und in Rage zu bringen. Piesacken würde meine Mutter das nennen. Was gibt es noch über ihn zu sagen? Arrogant, rücksichtslos und in der Lage seine Meinung so anzupassen, dass es ihm Vorteile bringt. Heute Demokrat, morgen Republikaner, heute gegen Krieg, morgen an der Front.

Trotz der mehr als unsympathischen Charaktere hatte ich unglaublich viel Freude an dem Buch. Ich hätte auch niemandem abgenommen, dass man die Charaktere so wenig, ein Buch dafür umso mehr lieben könnte, aber es geht. Die Handlung hat mich gefesselt, auch wenn mir so oft Entscheidungen nicht gefallen haben und ich den Protagonisten tausend Mal die Leviten hätte lesen wollen. Die Kapitel waren mir definitiv zu lang, manchmal kam ich mit den ganzen Missen durcheinander und mangels Geschichtskenntnissen war es für mich nicht leicht zwischen Freund und Feind zu unterscheiden, aber … es hat mir gefallen.

Ich wollte wissen, was Scarlett sich wieder einfallen lässt, um ihre Familie durchzubringen. Wie schafft sie es, sich wieder unbeliebt zu machen und tut sie vielleicht doch mal etwas, womit sie bei mir punkten kann? Auch der ganze Rahmen der Handlung, war für mich sehr spannend. Der Sezessionskrieg, der in Folge der Nachkriegszeit entstehende Ku-Klux-Klan, die Sklaverei. Gerade letzteres war für mich spannend und gleichzeitig schwierig zu lesen. Die Sklaven auf Tara wurden eigentlich ziemlich gut behandelt, aber mich hat das Geschwätz von „den dummen Niggern“ dann doch manchmal gestört. Wobei es damals natürlich eine andere Zeit war und mit den heutigen rassistischen Aussagen nicht viel gemeinsam hat.

Auf den letzten 100 Seiten passiert dann noch einiges und obwohl das Ende im Nachhinein total passend ist, ist es wie ein Schlag vor die Brust. Das ganze Hin und Her, Auf und Ab für so was?

Fazit:
Es nicht in wenige Worte zu fassen (sorry!), weshalb mich das Buch so unterhalten hat. Die Charaktere sind wirklich unsympathisch, aber bei dieser vielfältigen, spannenden Handlung, macht das nichts aus. Denn trotz ihrer schlechten Eigenschaften, weiß Scarlett den Leser an ihre Geschichte zu fesseln. Wer keine Angst vor dicken Büchern und Klassikern hat, sollte unbedingt das Buch lesen. Der Stil ist auch nicht so schwer verständlich, wie die Bezeichnung Klassiker es vielleicht andeuten möchte.

Reiheninformation:

Es gibt eine autorisierte Fortsetzung des Romans, welche unter dem Titel "Scarlett" erschienen ist. Autorin ist Alexandra Ripley.



Kommentare:

  1. Hallo Julia,

    ich freue mich total, dass dir das Buch gefallen hat! <3 Ich liebe dieses Buch von ganzem Herzen. Und du hast so recht, die beiden Scarlett und Rhett sind so unsympathisch, aber grad das macht es auch irgendwie aus. Jetzt hast du mir sogar Lust auf ein Re-Read gemacht. Vielleicht baue ich es mal irgendwann wieder ein.

    Liebe Grüße,
    Nicole

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    1. Stimmt, ihre unsympathische Art ist schon sehr besonders.
      Na dann viel Spaß beim rereaden :)

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  2. Oh, das ist ein Buch, das ich auch total liebe (und Gerüchten zufolge zumindest über weite Strecken rezitieren kann, was so aber gar nicht stimmt) und ich finde Scarlett und auch Rhett ja gar nicht so furchtbar unsympathisch, sondern eher "normal" (herrjeh, was sagt das jetzt über mein Umfeld aus?! *g*) bzw. grad bei Scarlett habe ich eher das Gefühl, dass sie einfach zu selbstbewusst für eine Frau in der damaligen Zeit war und nur deswegen immer so extrem auffiel und aneckte.

    LG,
    Tanja

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    1. Es stimmt schon, dass Scarlett sicher eine besondere Frau war, gerade in dieser Zeit. Aber auch mit viel Selbstbewusstsein gehören sich manche Dinge einfach nicht. Vor allem dieser Neid hat nichts mit ihrer extrovertierten Art zu sein. Sie gönnt anderen absolut nichts und das ist so eine Eigenschaft, mit der ich gar nichts anfangen kann :D

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