Dienstag, 26. Januar 2016

Rezension ~ Zuviel: Dick, sensibel, ungeliebt

Titel: Zuviel: Dick, sensibel, ungeliebt
Autorin: Kooky Rooster
Seiten: 214 (laut Amazon)
Genre: Gay-Romance






Inhalt:
Der 19-jährige Wolfgang ist stark übergewichtig und zudem sehr sensibel. Aus diesem Grund wird er immer wieder Opfer seiner Kolleginnen, mit denen er sich ein Büro teilen muss. Sein einziger Lichtblick ist der Lagerarbeiter Simon, der jeden Tag für ein paar Minuten ins Büro kommt. Doch wie soll sich ein gutaussehender Mann Marke Frauenschwarm in jemanden wie Wolfgang verlieben?

Meine Meinung:
Auf Empfehlung von Jules habe ich dieses Buch auf meine Wunschliste gesetzt. Genau wie ihn hat mich gleich angesprochen, dass es sich hier mal nicht um zwei 08/15 Charaktere handelt, die aus jedem Otto-Katalog entsprungen sein könnten. Sind wir mal ehrlich: Nicht jeder trägt Größe 36 und auch die, die einige Nummern größter tragen (oder die irgendwie anders nicht der Norm entsprechen) sind (un-)glücklich verheiratet, geschieden oder single. In den meisten Büchern sind die Personen schlank und fit und gesund, die ein oder andere Dame hat höchstens mal ein bisschen dicke Oberschenkel. In diesem Buch ist das anders und das mag ich wirklich sehr gern.

Wolfgang wiegt 140 Kilo, was auch für einen Mann von 1.90 Meter nicht gerade wenig ist. Das lieferte schon in der Vergangenheit seinen Mitschülern genügend Vorlagen um ihn zu mobben und auch seine aktuellen Kolleginnen finden reichlich Grund ihn fertig zu machen. Es wird sehr deutlich, wie schlimm Mobbing sein und wozu es führen kann. Darauf kann man eigentlich nicht oft genug hinweisen. Mein Problem mit Wolfgang liegt darin, dass er erst 19 ist. Vielleicht liegt es an seinem Namen, aber ich hatte immer einen älteren Menschen im Kopf. Nicht das ich mir einen 50-jährigen vorgestellt habe, aber 19 finde ich schon sehr jung.

Im Klappentext heißt es, Simon sei sehr verpeilt. Ich konnte diesen Charakterzug ehrlich gesagt gar nicht an ihm feststellen, ich würde wenn überhaupt Wolfang so bezeichnen. Mir hat sehr gut gefallen, dass Simon Wolfgang so nimmt, wie er ist. Ich habe ihm absolut abgenommen, dass er Wolfgang attraktiv findet, sowohl äußerlich als auch innerlich. Auch die Art wie er versucht hat Wolfgang einerseits von seiner Liebe zu überzeugen und ihn andererseits zu ermuntern sich selbst zu mögen und nicht darauf zu achten, was andere denken, hat mir sehr gut gefallen.

„Wenn wir uns wichtig sind und die anderen uns eigentlich nicht, denkst du, wir können es riskieren, uns zu zeigen, dass wir uns mögen?” (73%)

Inhaltlich hat mich das Buch vollkommen überzeugt, aber stilistisch hatte ich doch so meine Schwierigkeiten. Die vier meistbenutzten Verben in diesem Buch sind wahrscheinlich winseln, glucksen, weinen und die Ohren anlegen. Zwischenzeitlich hatte ich das Gefühl, Wolfgang ist kein Mensch sondern ein Hund. Winseln ist ja grundsätzlich für einen Menschen in Ordnung, es heißt ja beispielsweise „um Gnade winseln“, aber eigentlich ist das eher eine Ausdrucksweise für Hunde. Vor allem in der Menge. Die Ohren kann man sich vielleicht operativ anlegen, aber ich möchte mal sehen wie das sonst bei Menschen funktioniert. Während Wolfgang also winselt und die Ohren anlegt, gluckst Simon ständig, meist als Reaktion auf Wolfgangs Flüstern und weinen tun sie beide ziemlich viel. Das war irgendwann leider nicht mehr auszuhalten.

Das letzte Kapitel ist dann aus der Sicht von Wolfgangs Cousine geschrieben, was mir leider gar nicht gefallen hat. Erstmal hab ich auch einige Zeit gebraucht um das zu verstehen und dann habe ich das auch als Stilbruch empfunden.

Aufgrund meiner Kritikpunkte müsste ich eigentlich nur drei BigBens vergeben, aber weil ich die Geschichte wirklich gern gelesen habe und die Lektüre gar nicht unterbrechen wollte, gibt es dann doch vier.

Fazit:
Eine schöne Geschichte, in der der Charakter mal nicht der Norm entspricht. Die Wortwahl könnte zwar deutlich besser sein, aber inhaltlich konnte mich die Handlung sehr überzeugen.

Kommentare:

  1. Hey! :)

    Ich wusste, dir würde die Geschichte gefallen. Obwohl ich dir recht geben muss, an mancher Stelle hätte man am Stil noch feilen können. Mich hat das aber wirklich kaum gestört, ich bin ja immer jemand, der über Dinge hinwegsieht, wenn der Rest wunderbar stimmig ist.
    Das letzte Kapitel mit der Cousine fand ich auch ein wenig seltsam. Ich hätte es einfach weggelassen.

    lg

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    1. Mir war es hier einfach zu viel, deshalb konnte ich das leider nicht mehr überlesen. Und es ist anatomisch nun mal nicht möglich, dass ein Mensch aktiv seine Ohren anlegt und dann muss man das auch nicht schreiben.

      Ja, den Epilog hätte ich auch weggelassen. Oder ihn zumindest aus der gleichen Perspektive geschrieben.

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    2. Das kann ich gut verstehen.
      Naja, gibt es nicht zumindest Menschen, die mit ihren Ohren wackeln können, vielleicht hätte man das schreiben sollen. ;)

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