Mittwoch, 4. November 2015

Rezension ~ Der Medicus

Titel: Der Medicus 
Originaltitel: The Physician 
Autor: Noah Gordon 
Reihe: Der Medicus #1 
Seiten: 864 
Verlag: Heyne 
Genre: Historischer Roman 
Leseprobe



Inhalt:
Rob wächst mit seinen Geschwistern im London des 11. Jahrhunderts auf, bis seine Eltern kurz nacheinander sterben. Die Kinder werden samt der wenigen Besitztümer der Eltern an unterschiedliche Menschen verteilt, bis nur noch der neunjährige Rob übrig bleibt. Er landet bei einem Bader, mit dem er fortan durch England zieht, um ihn bei seiner Arbeit zu unterstützen. Eines Tages hört er von dem berühmten Arzt Ibn Sina, der in Persien arbeitet und unterrichtet. Getrieben von dem Wunsch ein Medicus zu sein, macht Rob sich auf den Weg nach Isfahan und erlebt so einiges auf dem Weg zur Erfüllung seiner Träume.

Meine Meinung:
Ich habe zuerst den Film gesehen und fand ihn unglaublich gut. Das hat mich überrascht, weil ich mit historischen Geschichten nur wenig anfangen kann, aber an diesem Film hat einfach alles gepasst. Wer also zu faul für das Buch ist, sollte zumindest den Film schauen. Jedenfalls wollte ich daraufhin unbedingt das Buch lesen, aber durch die vielen Seiten hat es dann doch gedauert, da ich dafür Zeit brauchte.

Am Anfang hatte ich ein bisschen Sorge, dass ich das Buch nie beenden werde, weil die ca. 850 Seiten relativ eng und klein beschrieben sind. Ich hatte das Gefühl, zu lesen und zu lesen, aber so gar nicht vorwärts zu kommen. Stellenweise gab es dann auch einige detaillierte Szenen, die man für meinen Geschmack kürzer hätte fassen können, aber das waren keine seitenlangen Passagen. Ab und an gab es einfach mal eine Seite wo ich dachte, dass man das auch in ein oder zwei Sätzen hätte sagen können. Interessanterweise hat mich das aber nur gestört, so lang Rob noch nicht in Persien war. Als er in Isfahan ankommt, wird beispielsweise beschrieben wie das Spiel des Schahs (uns heute bekannt als Schach) funktioniert und welche Strategien zum Sieg führen können. Wenn ihr das jetzt lest, habt ihr vielleicht den Gedanken, dass ihr einen Roman lesen wollt und keine Schachanleitung (und mir wäre es da sicher auch so gegangen), aber selbst diese Erklärungen waren interessant zu lesen.

Der Schreibstil hat mir wahnsinnig gut gefallen. Er ist klar und verständlich, aber immer an die Zeit oder das jeweilige Land angepasst. Außerdem werden Ausdrücke aus anderen Sprachen oder verschiedenen Religionen verwendet, die alle erklärt werden oder sich aus dem Zusammenhang ergeben. Ich hatte das Gefühl, der Autor hat diesbezüglich gut recherchiert.

Auch die Charaktere konnten mich überzeugen. Rob steht natürlich immer im Vordergrund und ich mochte ihn total gern. Für mich schafft es der Autor wunderbar, Robs Begeisterung für seinen Beruf herauszuarbeiten. Menschen zu heilen ist für ihn eine Berufung. Er will den Menschen helfen und ihnen nicht Geld für sinnlose Behandlungen abknöpfen, so wie es damals üblich war. Das zeigt sich besonders bei der Seitenkrankheit, die wir als Blinddarmentzündung kennen. Selbst Ibn Sina kennt keinen Weg diese Krankheit zu heilen, aber Rob kann sich damit nicht zufrieden geben. Diese Begeisterung, diese Gier nach Wissen war so ansteckend. Ich konnte Robs Verlangen wirklich nachempfinden.

Fazit:
Ein toller historischer Roman, bei dem man sich nicht von der Dicke abschrecken lassen sollte. Die Sprache ist wunderbar verständlich und authentisch, man kann gar nicht aufhören zu lesen. Die Charaktere sind toll, besonders Rob konnte mich mit seiner Begeisterung für die Medizin vollkommen überzeugen.

Kommentare:

  1. Hallo Julia :)

    ach, da bin ich ja froh, dass du auch zuerst den Film geschaut hast. Bei mir wird es schließlich auch so sein. Denn das Buch habe ich mir fest vorgenommen, irgendwann möchte ich es unbedingt noch lesen, weil mir genau wie dir der Film sehr gut gefallen hat und ich das Thema auch sehr spannend finde ^^. Schön, dass es dich so überzeugen konnte, trotz der Dicke des Buches. Das macht Mut und hat definitiv wieder mein Interesse für die Geschichte wecken können :). Sehr schöne Rezension!

    Liebe Grüße
    Insi Eule

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    1. Hier ist das überhaupt kein Problem finde ich, weil sich einige Sachen deutlich unterscheiden, sodass das Buch nicht langweilig wird. Auf der anderen Seite muss natürlich auch im Film sehr viel gekürzt werden, daher werden im Buch viele Szenen detailierter beschrieben. Wobei ich manche Sachen auch im Film besser fand :D Jedenfalls kann ich dich nur dazu ermuntern das Buch uuuuunbedingt zu lesen. Bin gespannt auf deine Meinung :)

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