Mittwoch, 8. Juli 2015

Rezension ~ Sommer unter schwarzen Flügeln

Titel: Sommer unter schwarzen Flügeln
Autor: Peer Martin
Reihe: Nuri&Calvin #1
Seiten: 528
Verlag: Oetinger 
Genre: Jugendbuch, Flüchtlinge - sehr aktuell 
Leseprobe



Inhalt:
Calvin ist 18 Jahre alt und kommt aus dem sogenannten „Sozialen Brennpunkt“ einer ostdeutschen Stadt am Meer. Er geht manchmal in die Berufsschule und in seinen Praktikumsbetrieb, aber meistens geht er dann doch nicht, weil er sowieso nicht übernommen wird. Er hasst Ausländer, weil sie die Arbeitsplätze wegnehmen, weil sie vom Staat alles bekommen (sogar eine neue Waschmaschine) und weil sie Frauen vergewaltigen. Zusammen mit seinen rechten Freunden möchte er im Viertel aufräumen. Doch dann lernt er Nuri kennen. Nuri, die aus Syrien geflüchtet ist, die von Olivenbäumen und Weinstöcken erzählt, von Bergen und Flüssen, von Tod und Leben.

Meine Meinung:

Mich interessiert das Thema Flüchtlinge total und als ich dann von der lieben Miss Duncelbunt diesen Buchtipp bekommen habe, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Letztendlich hab ich es dann vom Autor als Rezensionsexemplar erhalten, wofür ich mich nochmal bedanken möchte.

Ich muss sagen, der Einstieg hat mich direkt ein wenig ernüchtert. Für ein Jugendbuch habe ich mit einem völlig anderen Schreibstil gerechnet, der irgendwie einfacher und leichter ist. Das meine ich gar nicht negativ, ich war nur überrascht und irritiert wie ernst die Geschichte durch den Schreibstil wirkt.

Ziemlich schnell lernt der Leser nicht nur Calvin kennen, sondern auch Nuri, die sogleich zu erzählen beginnt, von ihrer Heimat Syrien. Calvin will ihr eigentlich gar nicht zuhören, schließlich ist sie nur eine Ausländerin, die er lieber heute als morgen wieder dahin schicken würde, wo sie herkommt. Er kann sich aber ihrer Stimme nicht entziehen und lauscht so dem Beginn ihrer Geschichte. Diesen Stil mochte ich sehr gern, denn im Verlauf des Buches erzählt Nuri immer wieder in langen Passagen über ihr Leben in Syrien, wie der Bürgerkrieg beginnt und warum sie letztendlich geflohen ist. Das Buch ist mit über 500 Seiten recht dick und es liest sich sehr langsam. Ich weiß gar nicht, wie ich das halbwegs verständlich ausdrücken soll. Es gibt einfach Bücher, die haben ein hohes Erzähltempo, da liest man und liest man und wenn man blinzelt, dann hat man schon 100 Seiten gelesen. Hier ist das ganz anders. Obwohl wirklich einiges passiert, es stellenweise auch Action gibt, habe ich das Erzähltempo als eher ruhig und langsam empfunden, besonders in den Passagen in denen Nuri von Syrien erzählt. Für mich war das gerade noch so okay, aber ich muss schon sagen, dass es stellenweise an der Grenze zu langatmig/zäh war.

Es gab natürlich auch Passagen wo ich mich tierisch aufgeregt habe. Das war vor allem dann der Fall, wenn Calvin und seine Freunde ihre rechten Parolen verbreitet haben, aber auch und gerade dann, wenn die Polizei mal wieder so gar nichts gemacht hat. Das muss man sich mal vorstellen, da fliehen die Menschen aus Ländern wo jeder korrupt ist, wo man niemandem mehr trauen kann, in ein Land, dass ein Rechtsstaat ist und man erwartet Hilfe zu bekommen. Und dann ist da die Polizei, die man wegen irgendeines Verbrechens ruft und die sagt zu dir: Kann ich nix machen. Wahrscheinlich warst du das sogar noch selbst.

Das Ender der Geschichte hat mich zugegeben überrascht, weil ich schon wusste, dass es einen zweiten Teil geben wird und ich dementsprechend mit einem bestimmten Ende gerechnet habe. Nicht en detail, aber jedenfalls grob. Ich hatte danach echt Schnappatmung und hab mich ein kleines bisschen aufgeregt, aber im Nachhinein ist das Ende wirklich passend. Etwas anderes wäre vielleicht schnell unglaubwürdig geworden.

Nicht so gut gefallen hat mir an einigen Stellen die Ungenauigkeit in Bezug auf kleinere Merkmale wie das Alter der Protagonisten. Calvin ist volljährig, wird dann aber wieder als der 17-jährige beschrieben. Sein kleiner Bruder Tom ist mal 6 und mal 8 Jahre alt.

Wettgemacht wird das dann aber wieder bei der Genauigkeit der Informationen zum syrischen Bürgerkrieg. Ich bin da kein Experte, aber alles was angesprochen wurde, kam mir aus den Nachrichten ungefähr bekannt vor, ich hatte wirklich das Gefühl der Autor wusste ganz genau worüber er schreibt.

Fazit:
Thematisch ein sehr aktuelles und spannendes Buch, das zugleich wirklich informativ ist. Das Erzähltempo ist hier eher langsam, für einige vielleicht zu langsam. Ich fand es gerade noch okay. An einigen Stellen gab es kleine Fehler, die sich aber im Rahmen halten. Besonders das Ende hat es mir angetan, auch wenn es erstmal für Schnappatmung sorgt.

Kommentare:

  1. Von sehr ernst geschriebenen Geschichten kann ich manchmal gar nicht genug bekommen. Ich mag es, wenn mich mein Lesestoff ein bisschen fordert und zum Nachdenken bringt, da habe ich einfach viel mehr das Gefühl, dass es sinnvolle Lesezeit war.
    Ob ich selbst aber so irritiert gewesen wäre, dass ein Jugendbuch diesen Stil hat, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass ich jugendlichen Menschen, für die Jugendbücher ja hauptsächlich gedacht sind, nehme ich an^^, nur Sanftes und Einfacheres 'zumuten' würde. Aber irgendwie hatte ich dieses Thema heute auch schon auf einem anderem Blog, da ging es aber um Gewalt in Jugendbüchern und wie viel oder in welcher Intensität es für diese Altersgruppen angemessen ist. - Eigentlich ist das ein ziemlich interessantes Thema. Ich denke, dass es sich lohnen würde, da mal einen Blogartikel drüber zu schreiben, wo man dann in dem Kommentaren diskutieren kann. Das mach ich. Wenn ich Zeit habe ...^^ Aber ich schweife ab. Was ich eigentlich sagen wollte, ist, dass ich Jugendbücher hauptsächlich mit jungen bzw. jugendlichen Protagonisten in Verbindung bringe ...

    "Es liest sich langsam." - Interessanter Ausdruck.^^ Aber mit deiner Beschreibung danach verstehe ich schon, wie du das meinst. Also irgendwie. :D

    Oh - es wird eine Fortsetzung geben? Gab es auch einen Cliffhanger am Schluss? Manchmal ist das ja so, wenn es einen nächsten Teil gibt.

    Echt? Da sind dieselben Protagonisten zur selben Zeit einfach mal verschieden alt? Also das ... würde mich auch stören. Sehr! Denn aufs Alter achte ich immer. Und würde mir auch gleich negativ auffallen. Nein, sowas mag ich auch gar nicht. Und habe ich bisher auch glücklicherweise noch in keinem Buch erlebt. Aber eigentlich darf sowas auch nicht 'passieren', finde ich.

    Also, ich weiß nicht ... Der Inhalt klingt schon echt gut! Hast den eigentlich du selbst zusammengefasst, oder ist das die Kopie vom Klappentext des Buches?

    Alles Liebe ♥

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    1. Diese Uhrzeit ist für dich "in Ruhe lesen"? Meine Güte. :D

      Ich glaube, sinnvolle Lesezeit kannst du bei diesem Buch auf jeden Fall finden. In meiner Rezension habe ich es glaube ich nicht erwähnt, weil es sonst zu lang gewesen wäre (zwei Seiten hätte ich locker geschafft), aber es gibt nach jedem Kapitel Schlagworte die mal googeln kann.

      Nein, ich will auch nicht sagen, dass Jugendliche nur leichte Unterhaltung lesen sollen/dürfen. Ich habe einfach in diesem Fall mit etwas stilistisch anderem gerechnet.

      Falls du es selbst mal liest, wirst du vielleicht merken was ich meine. Ich kann das nur schwer sagen. Ich bewundere immer Leute die den Schreibstil anschaulich beschreiben können. Ich kann das immer nicht so :D

      Wahrscheinlich, ja. So genau ist mir das mit der Fortsetzung nicht klar, wahrscheinlich fehlen mir da einfach die Infos aus der Diskussion. Nein, es ist ein völig abgeschlossenes Buch. Wir können uns dann mal zu gegebener Zeit privat über das Ende des ersten Teils und den zweiten Band unterhalten ;)

      Keine Sorge, das taucht jetzt nicht ständig auf. Ein oder zweimal. Ich war mir auch anfangs gar nicht sicher und musste zurückblättern um das zu überprüfen.

      Den habe ich selbst zusammengefasst. Wenn ich den übernehme schreibe ich es dazu.
      Aber es ist echt nur ein grober Umriss, in dem Buch geht es noch um viel mehr. Es ist irgendwie.... ich weiß nicht, das Buch ist mega schwer gesamtheitlich zu betrachten. Man könnte allein zu jedem Aspekt den ich in der Rezi angerissen und nicht angerissen hab einen eigenen Text schreiben.
      Ganz schwieriger Fall :D Aber gut. Wenigstens das kann ich eindeutig sagen: Es hat mir gefallen.

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    2. *lach* Ja, irgendwie schon. Ich war sogar noch bis 3 putzmunter. Die letzten Tage kann ich gar nicht mehr schlafen. Habe heute Nacht auch nur 2 Stunden schlafend verbracht. Komischerweise bin ich aber auch gar nicht müde. Entweder liegt es an der Hitze, die mir nicht gut bekommt, oder an meinem (zu) späten Koffeinkonsum. Ich vermute Letzteres ...^^

      Hach ja, das Übel mit den fehlenden Worten, wenn man etwas angemessen beschreiben will ... Kenne ich nur zu gut. Bei mir kommt dann meist nur dieses, wenn ich nicht lange darüber nachdenke(n will): "Ja, war voll toll." oder "Ja, echt klasse, musst du auch lesen" oder "Ja, hat mir echt gut gefallen." :D Da hast du dir im Vergleich aber echt Mühe gegeben, um es zu verdeutlichen! ;)
      Was braucht man denn eigentlich für Fähigkeiten oder für ein Talent, um Dinge gut beschreiben zu können? - Einen überdurchschnittlich großen Wortschatz, überdurchschnittliche Intelligenz? Fantasie? Kreativität? - Wahrscheinlich von allem ein bisschen was.

      Ich war mir fast zu 100% sicher, dass du den Inhalt geschrieben hast, der hat nämlich den Julia-Stil. Das erkenne ich mittlerweile ganz gut!^^

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    3. Na wenn du dann nicht müde bist, ist das ja nicht so schlimm. Ich würde dann total Kopfschmerzen bekommen und mich nicht konzentrieren können, was fürs Lernen blöd ist :D
      Heiß ist es jetzt seit Anfang der Woche nicht mehr, aber morgen solls wieder sonnig werden. Bin mal gespannt.
      Dann trink halt so spät keinen Kaffee mehr...^^

      Na mit einem "Ja war echt toll" kannst du halt nicht so viel anfangen.
      Vielleicht von allem ein bisschen, ja. Wie es um meinen Wortschatz und meine Intelligenz bestellt ist weiß ich nicht, aber zumindest Kreativität und Fantasie dürfe ich besitzen. Ich habe das Gefühl, man braucht auch ein gewisses Verständnis der (deutschen) Sprache, das mir einfach fehlt. Fängt ja schon damit an, dass ich immer nur Vergangenheit oder Gegenwart sage, weil ich nicht sicher bin welche Vergangenheitsform das Präteritum ist :D

      Hihi. Das hast du nett gesagt.

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    4. Ne, das war eh kein Kaffee (ich hasse Kaffee!!), das war so ein Nahrungsergänzungs-Energydrink-Dingsbums. Keine Ahnung, wie sich das genau nennt. Es ist jedenfalls in einer orangenen Dose und da drin ist eben auch Koffein. ;) So.

      Ich bin mir da immer ein wenig unsicher, ob ich meine Rezensionen in der Vergangenheit oder in der Mitvergangenheit schreiben soll. Bei mir wird es dann schlussendlich doch immer eine Mischung von beidem, da ich das Gefühl habe, dass es sich so einfach besser liest. Ist aber wahrscheinlich sowieso ein No-Go für einen richtigen Literaturkritiker. Ich kann mich erinnern, ich habe sogar bei der Rezension von "Erbarmen" versucht, nur im Präteritum (Mitvergangenheit) zu bleiben, das hat sich aber so bescheuert gelesen, dass ich die Rezension dann wieder umgeschrieben habe in eine Mischvergangenheits-Form ...^^

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    5. Na das ist ja noch schlimmer. Ich finde Energydrinks gehören eh verboten :D

      Ich mein das mit der Zeit gar nicht mal in Bezug auf die Rezensionen. Sondern eher allgemein. Ich habe das Gefühl, wenn ich mich mit den Grundsätzen der Sprache, mit Grammatik und Linguistik und so auskennen würde, könnte ich mich besser ausdrücken und sagen wie der Erzählstil eines Textes ist.

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    6. Ach sooo meinst du das. Ja, das kann natürlich auch sein, dass es einem dann leichter fällt sich diesbezüglich verständlich zu machen.
      Aber jetzt wo du das erwähnst, glaube ich schon, dass das stimmt. Mein Exfreund hat nämlich Deutsch studiert, und wenn ich heute mit ihm rede, dann komme ich mir manchmal ein wenig minderbemittelt vor. Der kennt und kann sich mit Worten ausdrücken, dass mir sogar hin und wieder unheimlich wird.^^

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