Donnerstag, 16. Juli 2015

Rezension ~ Der Junge im gestreiften Pyjama

Titel: Der Junge im gestreiften Pyjama 
Originaltitel: The Boy in the Striped Pyjamas 
Autor: John Boyne 
Seiten: 272 
Verlag: Fischer 
Genre: Jugendbuch, 2. Weltkrieg




Inhalt:
Die Geschichte von »Der Junge im gestreiften Pyjama« ist schwer zu beschreiben. Normalerweise geben wir an dieser Stelle ein paar Hinweise auf den Inhalt, aber bei diesem Buch - so glauben wir - ist es besser, wenn man vorher nicht weiß, worum es geht. Wer zu lesen beginnt, begibt sich auf eine Reise mit einem neunjährigen Jungen namens Bruno. (Und doch ist es kein Buch für Neunjährige.) Früher oder später kommt er mit Bruno an einen Zaun. Zäune wie dieser existieren auf der ganzen Welt. (Inhalt laut Verlag)

Meine Meinung:

Das Buch wird von vielen in der Schule gelesen und ungefähr jeder, der es in der Schule nicht lesen musste, hat es dann privat gemacht. Außer mir. Und wirklich jedem scheint es zu gefallen. Außer mir.

Schon der Einstieg in die Geschichte viel mir sehr schwer, weil Protagonist Bruno überhaupt kein typischer 9-jähriger ist. Auf der einen Seite spricht er wie ein Erwachsener und benutzt mit Vorliebe Wendungen deren Sinn er nicht versteht, aber auf der anderen Seite ist er so naiv und kindlich. Dass mit 9 Jahren Auschwitz nicht sagen kann, okay, aber der Begriff „Führer“ sollte einem doch über die Lippen gehen, vor allem wenn es einem mehrmals vorgesprochen wird. Ich konnte zu Bruno einfach keine Beziehung aufbauen, weil er mir so unnatürlich vorkam.

Insgesamt kamen bei mir so gut wie keine Emotionen an, egal an welcher Stelle. Gerade bei so einem wichtigen Thema ist das schon ein bisschen schade. Sicher hängt das mit Bruno zusammen, aber auch mit dem Schreibstil. Der ist zwar sehr gut verständlich, aber ich habe ihn auch als sehr sachlich empfunden. Außerdem wird in diesem Buch fast alles nur indirekt erklärt oder angedeutet, was auch schon am Klappentext ersichtlich wird. An sich ist das ein interessantes Mittel, aber mich hat es wirklich stellenweise genervt, dass man einfach nicht mal sagen kann was Sache ist.

Vollkommen überzeugt hat mich das Ende. Ehrlich, allein dem Ende wurde ich die volle Punktzahl plus Bonus geben. Nachdem der Junge im gestreiften Pyjama auftaucht, habe ich mich schon gefragt wie der Autor das Buch jetzt zu Ende bringen wird. Wie er es schafft ein rundes Ende zu gestalten, sodass die Geschichte einen Anfang und ein Ende hat. Mit diesem Ausgang der Geschichte habe ich absolut nicht gerechnet und ich bin immer noch ganz begeistert. Zwar war ich auch hier nicht traurig oder geschockt, obwohl ich auf so etwas gewartet habe, aber es war absolut passend und genial.

Fazit:

Die Geschichte konnte mich überhaupt nicht berühren, was sowohl an Hauptperson Bruno, als auch am Schreibstil lag. Lediglich das Ende hat mich restlos begeistert, ich glaube, kein Buch hat je passender geendet. Man kann das Buch lesen, aber die Begeisterungsstürme kann ich persönlich nicht nachvollziehen.

Kommentare:

  1. Hm, ich kann mich leider gar nicht mehr daran erinnern, dass Bruno auch so ein typisches "Erwachsenenkind" ist, wie es meiner Erfahrung nach meistens in Büchern ist, in denen Kinder die (Haupt)protagonisten sind. Aber das muss ich leider auch meistens beklagen: dass es mir oft sehr unnatürlich und nicht altersgerecht vorkommt, was Kinder in Büchern in einem gewissen Alter denken, von sich geben, oder wie sie sich verhalten. Denn in gewisser Weise ist das dann ja auch schon wieder 'Fanatsy', nicht? ;-)

    Ich fand das Ende schrecklich traurig. Ich weiß leider echt nicht mehr, wie ich es beim Buch empfunden habe, aber beim Film war es wirklich gut umgesetzt und ja, da bin ich von meinen Emotionen dann auch überwältigt worden.

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    1. Vielleicht empfinde ich das auch nur so, keine Ahnung. :D Da würden dir jetzt Liebhaber des Genres widersprechen, aber ja, du hast schon recht. Das ist aber auch sehr schwierig Kinder altersgerecht zu beschreiben und wahrscheinlich davon abhängig was man für Kinder kennt und ob überhaupt.

      Ich finde die Idee ebenso traurig wie genial. Nur kam diese Traurigkeit beim Lesen nicht an. Wenn du mir das Ende erzählt hattest, dann hätte ich mit Sicherheit gesagt: "Oh Gott, wie furchtbar". Aber wie auch schon vorher hat das Lesen bei mir keine Emotionen ausgelöst.
      Ich denke aber auch, dass es mich im Film vielmehr mitnehmen wird.

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  2. Liebe Julia

    Ich habe dieses Buch geliebt und am Ende so fürchterlich geweint. Selten hat mich ein Buch so überzeugt wie "Der Junge im gestreiften Pyjama". Der Film ist in der Tat sehr gut umgesetzt und hält sich meiner Meinung nach, sehr gut an das Buch.

    Nun ich kann dein Gefühl absolut nachvollziehen. Diese Erwartungen, die man an ein so hochgelobtes Buch hat, denen es einfach nicht gerecht werden kann. So ging es mir mit "Das Schicksal ist ein mieser Verräter". Diesem Meisterwerk kann ich auch absolut nichts abgewinnen.

    Liebe Grüsse
    Marla

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    1. Hey Marla,

      von dem Film hab ich jetzt schon mehrmals viel gutes gehört, den werde ich mir sicher auch noch anschauen. Vielleicht kann er mich eher überzeugen als das Buch.

      Das Buch hab ich gar nicht erst gelesen, weil ich den Film schon langweilig fand. Ich hab das Problem mit den Erwartungen häufiger, deshalb versuche ich auch mittlerweile Hype-Bücher (vorerst) zu meiden.

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  3. Ich hab das Buch verschlungen und am Ende musste ich so sehr weinen, das war nicht mehr schön. Aber ich verstehe deine Einwände. Wenn ich so darüber nachdenke, dann gebe ich dir völlig recht. Nur ich habe es gelesen, als es noch nicht so hochgelbot war, hatte keinerlei Erwartung und fand es deshalb wohl auch so gut. Kann mir schon vorstellen, dass es ganz anders aussieht, wenn man das Buch angepriesen bekommt und erst dann liest.

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    1. Die Erwartungen spielen da sicher eine Rolle, gerade bei mir. Ich lasse mich davon gern beeinflussen. Bei diesem Buch glaube ich aber, dass es mir auch ohne den Hype nicht so gefallen hätte. Wenn ich es dann überhaupt gelesen hätte ;)

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