Dienstag, 19. Mai 2015

Filmkritik ~ Gut gegen Nordwind

Titel: Gut gegen Nordwind
Regie: Michael Kreihsl
Schauspieler: Ruth Brauer-Kvam und Alexander Pschill
Jahr: Kammerspiele 2009 
Spieldauer: 101 Minuten 
Theater: Theater in der Josefstadt
Wollt ihr mal reinschauen? 


Inhalt:
Emma Rothner möchte eigentlich nur ihr Abonnement der Zeitschrift „Like“ kündigen. Aufgrund ihrer e vor i Schwäche, vertippt sie sich allerdings mehrmals bei der E-Mail Adresse und sendet alle Kündigung an Leo Leike. Zwischen den beiden entsteht ein reger E-Mail Kontakt, der ihnen einen Ausweg aus der manchmal harten Realität bietet.

Meine Meinung:
Ich bin ein großer Fan von Emmi und Leo und habe beide Bücher von Daniel Glattauer verschlungen. Als das Theaterstück dann in unserem Stadttheater gezeigt wurde, wollte ich nicht hin, was ich mittlerweile bitterlich bereue. Als Ersatz habe ich mir dann zu Weihnachten die DVDs gewünscht und immerhin kann ich mir die Stücke jetzt so oft ich mag ansehen.

Anfangs war ich doch ein bisschen skeptisch, da der Roman wirklich nur aus E-Mails besteht. Die Handlung findet also nur indirekt statt und ich hab mich gefragt wie man so etwas auf einer Bühne darstellen soll. Man kann ja nicht einfach zwei Leute hinsetzen, die abwechselnd Mails vorlesen.

Die Kulisse ist in zwei Hälften geteilt, vom Betrachter aus links ist Emmas Schlafzimmer, rechts das von Leo. Beide bewegen sich die meiste Zeit über in ihrem Zimmer und kommen nur kurz daraus hervor. Ich bin total begeistert, wie mich die Schauspieler in ihren Bann ziehen konnten, obwohl sie sich nur auf kleinem Raum bewegt haben. Dadurch, dass sie häufig ihre Position wechseln oder sich andere Kleidung anziehen, wirkte es auch gar nicht starr und langweilig. Es war genug „Action“ vorhanden, auch ohne dass man viel Bewegungsraum hat.

Was ich an den Büchern so mag, ist der teilweise unterschwellige Witz, aber auch die Poesie der Wörter. Ich kann mich mal wieder nicht so ausdrücken, wie ich gern würde, aber die Wörter sind so… perfekt aneinander gereiht. Wisst ihr, was ich meine?

Ich bin ein Fan von geschriebenen Wörtern, aber teilweise kommen die Worte in dem Stück noch besser zur Geltung als auf dem Papier. Durch die Aussprache, durch die Betonung, durch die Mimik werden die Worte noch deutlicher. Ich habe vor einiger Zeit meine Liebe zum österreichischen Dialekt entdeckt und diese leichte Färbung merkt man auch den Sprechern an. Herrlich. Die Mimik der beiden Schauspieler hat mich ebenfalls beeindruckt. Schreibt Leo etwas freundliches, legt sich ein Strahlen auf Emmis Gesicht und erzählt sie von ihrem Ehemann, schaut Leo gleich mürrisch.

Das Ende hat mich schon beim Buch erst sprachlos gemacht und dann Rumpelstielzchenähnlich durch die Küche hüpfen lassen. Ich dachte nur: „Das kann er nicht ernst meinen?“ Dieses Gefühl wurde auch in dem Theaterstück wunderbar umgesetzt, weil das Ende so plötzlich kommt, dass es gleichermaßen für Emmi, wie auch für den Zuschauer einem Hieb vor die Brust nachkommt.

Fazit: „Gut gegen Nordwind“ wurde wunderbar als Theaterstück inszeniert. Die eindrückliche Sprache und die tollen Charaktere kommen auch in der Bühnenfassung gut zur Geltung. Unbedingte Empfehlung!


Kommentare:

  1. Ich seh schon, ich muss mir das auch mal ansehen. Habe das Buch ja so geliebt, da werde ich das hier sicher auch toll finden.

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    1. Hast du mal das youtube-Video angeschaut? Die Qualität ist nicht optimal, aber da bekommst du immerhin einen Eindruck ob es dir gefallen könnte :)

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    2. Habs gerade angesehen und ich glaube, es könnte mir wirklich gut gefallen. Werde ich mir vormerken!

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    3. Sab Bescheid wie es dir gefallen hat :)

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