Samstag, 29. November 2014

Rezension ~ Winterhimmel

Titel: Winterhimmel
Autorin: Christina McKay
Verlag: BookRix
Seiten: (206 geschätzt)
Reihe: Winterhimmel (1/3)
Genre: Gay-Romance, Trauer
Besonderheiten: Erzählt eine wahre Geschichte, daher kostenlos erhältlich


Inhalt:
Jan hat durch einen Gehirntumor seinen Ehemann Mike verloren. Ein Jahr nach dessen Tod erhält Jan eine Schachtel von seinem Mann, mit einigen Briefen und Aufgaben, die er erledigen soll. Bei dem Versuch Mikes Wünschen nachzukommen, lernt er Nils kennen, der ihn besser versteht als jeder andere. Denn auch Nils hat seinen Partner verloren…

Meine Meinung:
Beim Durchstöbern kostenloser Ebooks bin ich auf Winterhimmel gestoßen und habe mich durch das schöne Cover und den Titel verzaubern lassen. Da Winterhimmel die Geschichte von real existierenden Personen erzählt, verzichte ich auf eine Bewertung mit Punkten, sondern schildere lediglich meinen Eindruck darüber.

Schon die Kurzbeschreibung macht deutlich, dass Winterhimmel dem Roman P.S.: Ich liebe dich sehr ähnlich ist. Auch wenn dies so sein soll, da Mike und Jan sich den Film gemeinsam angeschaut haben und die Idee mochten, war ich anfangs skeptisch, da ich Cecelia Aherns Bestseller nicht mochte. Es ist auch schon ewig her, dass ich diesen Roman gelesen habe, aber die Grundstory ist ja bekannt und findet sich auch in Winterhimmel wieder.

Mike stirbt nach einem Gehirntumor und hinterlässt seinem Ehemann eine Reihe von Aufgaben und Botschaften. Das Haus verkaufen zum Beispiel, tanzen gehen und sich neu verlieben. Diese Aufgaben sind in meinen Augen nicht besonders spektakulär in dem Sinn, dass sie nicht überraschend sind. Natürlich möchte Mike nicht, dass Jan die nächsten fünfzig Jahre allein ist und natürlich möchte er, dass Jan ihr Haus verkauft, weil es schon für zwei zu groß ist und Jan nach Mikes Tod nur noch drei Zimmer nutzt. Die Aufgaben sind wie sie sind, da hat auch die Autorin keinen Einfluss drauf. Worauf sie Einfluss hat ist aber, inwieweit die Aufgaben thematisiert werden. Für Jan markieren sie einen Wendepunkt, weil er nach einem Jahr voller Trauer und Verzweiflung wieder beginnt zu leben. Er kann wieder lachen, trifft sich mit seinen Freunden und akzeptiert, dass Mike tot ist. Dafür, dass die Briefe so einen wichtigen Part einnehmen und das Lesen dieser so ausführlich beschrieben wird, werden sie gegen Ende für mich viel zu wenig beachtet. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin noch mal auf das Thema eingeht, zum Beispiel in dem Jan reflektiert welche Wünsche er Mike erfüllen konnte und welche vielleicht noch anstehen.

Der Erzählstil ist sehr einfach gehalten, sodass man wirklich sehr schnell durch die Seiten fliegt. Ein bisschen schade finde ich, dass das Lesen der Briefe, der Neustart und der Beginn von Nils und Jans Beziehung so detailreich beschrieben wurde, dieses aber nach einem Streit von Nils und Jan völlig abflacht. Das Verhältnis hat hier einfach nicht gestimmt, da nach der Versöhnung erst nur kurze Episoden folgen, die mich wirklich verwirrt haben, weil es keine Übergänge gab. Dann aber folgen wieder etwas ausführlichere Szenen und schließlich ein Epilog, der ähnlich detailreich erzählt wird wie der Beginn Geschichte. Ich hatte einfach das Gefühl, dass der Autorin der Beginn der Liebesgeschichte zwischen Nils und Jan sehr wichtig ist, ebenso wie der vorläufige Höhepunkt ihrer Beziehung, aber das dazwischen gar nicht so wichtig ist und nur kurze Episoden erzählt wurden um den Zeitsprung nicht ganz so drastisch ausfallen zu lassen.

Insgesamt ist die Geschichte sehr berührend, vor allem vor dem Hintergrund, dass sie real ist. Das dies die Geschichte zweier Menschen ist, die einen tragischen Verlust verkraften mussten. Mich haben die Worte teilweise sehr berührt, vor allem Mikes Briefe waren bewegend. Es muss sehr schwer für ihn gewesen sein, zu wissen das er nicht mehr lang leben zu hat und Jan trotzdem oder gerade deswegen in seinen Briefen aufzufordern einen neuen Mann in sein Herz zu lassen. Besondere Größe hat er mit diesen Worten gezeigt: "Und sei dir sicher, dass ich dir nichts von dem, was du in deinem restlichen Leben tust oder auch nicht tust, jemals vorwerfen würde."

Fazit:
Eine berührende, wahre Geschichte über die Liebe und den Tod. P.S. Ich liebe dich mit Männern. Die Umsetzung hätte in der Mitte ausführlicher sein können, da dort viele kurze Szenen abgehandelt werden, insgesamt jedoch sehr schnell und schön zu lesen.

Sonne am Winterhimmel:
Die ganze Geschichte gibt es auch noch aus der Sicht von Nils in „Sonne am Winterhimmel“. Da sich nur die Perspektive ändert, verzichte ich auf eine eigenständige Rezension und möchte nur kurz erwähnen, warum sich „Sonne am Winterhimmel“ meiner Meinung nach nicht lohnt. Bis auf eine kleine Szene, wie Jan und Nils zu ihren Hunden kommen, hält Nils Sicht keine neuen Erkenntnisse bereit. Außerdem war es mir an den meisten Stellen viel zu oberflächlich und ich hätte mir hier und da mehr Details gewünscht. Die Story verläuft sehr schnell, was auch schon in „Winterhimmel“ der Fall war. Dort war es aber knapp an der Grenze zu „noch okay“ in „Sonne am Winterhimmel“ war es mir dann wirklich zu schnell. Zusätzlich finde ich schade, dass die Sätze kaum bis gar nicht variieren. Die wörtliche Rede bleibt natürlich gleich, das ist klar. Allerdings werden ganze Szenen in sehr ähnlichen bis identischen Sätzen beschreiben, nur dass mit „du“ dann nicht mehr Nils, sondern Jan gemeint ist und mit „ich“ nicht mehr Jan, sondern Nils.

Ohne es böse zu meinen, muss ich daher sagen, dass es reicht eine der beiden Geschichten zu lesen. Da Mikes Briefe verständlicherweise nicht so ausführlich in „Sonne am Winterhimmel“ thematisiert werden, empfehle ich daher „Winterhimmel“ zu lesen.


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