Mittwoch, 27. August 2014

Rezension ~ The Lost Boys

Quelle: Homepage der Autorin
Titel: The Lost Boys
Autorin: Abbi W. Reed
Verlag: Selfpublishing
Seiten: 159
Genre: Gay-Fantasy-Romance






Inhalt:
Der 18-jährige Matt ist von zu Hause abgehauen, nachdem sein Vater ihm wegen seines Outings ein blaues Auge geschlagen hat. Als er mit seinem Wagen liegen bleibt, gelangt er zu einer herunter gekommenen Tankstelle und trifft dort auf den gleichaltrigen Jesse. Zwischen den beiden entsteht sofort eine gewisse Anziehung und Jesse nimmt Matt mit zu den Lost Boys, einer Gruppe junger Leute die ohne Regeln, ohne Strukturen, ohne Erwachsene in einem Haus leben. Ihr Anführer ist Peter, der aussieht wie 20, aber irgendwie auch älter ist und der so einige Geheimnisse mit sich trägt.

Meine Meinung:
Ich hab mich ganz spontan bei der Buchverlosung auf lovelybooks beworben und hatte Glück. Angesprochen hat mir vor allem das Cover, dieser Tunnel (der auf mich im ersten Moment immer wieder wie ein Fingerabdruck wirkt) und der Peter Pan, den ich erst jetzt beim Schreiben der Rezension als solchen erkenne (ich dachte, das sei ein nackter Frauenkörper auf dem T-Shirt...).
Auch der Klappentext klingt spannend, ich dachte mehr an ein kriminelles/spannendes Geheimnis, als an etwas fantastisches, auch wenn durch die Peter Pan Parallelen natürlich auch der fantastische Bezug klar war.

Leider hat mir das Buch nicht ganz so gut gefallen, was auf ganz viele verschiedene Sachen zurückzuführen ist. Fangen wir mit den Figuren an. Über Matt habe ich schon etwas in der Kurzbeschreibung gesagt. Er war mir als Charakter einfach nicht nah, weil ich seine Gedanken nicht verstehen konnte (obwohl das Buch aus der Ich-Perspektive erzählt wurde!) und weil er mir einfach zu schwach war. Anfangs war er mir zu unkritisch, er hat kaum etwas hinterfragt und einfach alles hingenommen, auch moralisch verwerflich Sachen. Recht bald hat er dann doch ein Gewissen gehabt, hat über die Konsequenzen, das richtig und falsch seiner Handlungen nachgedacht, aber letztendlich doch alles ignoriert. Ein Beispiel (mögliche kleine Spoilerwarnung!!): Sam, ebenfalls ein Lost Boy, nimmt im Zimmer das er mit Jesse und Matt teilt Drogen. Er bietet Matt eine Pille an, der sich erst ein bisschen ziert (Drogen sind schlecht, illegal usw.) und sich dann doch von Sam eine Pille in den Hals schieben lässt.
(Spoilerwarnung Ende)
Solche Stellen gibt es in diesem Buch viele, Matt ist sich einer Sache unsicher, findet sie moralisch nicht angebracht und zweifelt, entscheidet sich aber letztendlich dann doch dafür diese Sache zu akzeptieren oder zu tun, aber dem Leser wird dieser Wechsel von „Das ist nicht richtig“ zu „Es ist angemessen“ nicht dargestellt. Ohne der Autorin etwas unterstellen zu wollen, wirkte es auf mich ein wenig so, als hatte die Autorin eine Handlung für Matt im Kopf (zum Beispiel Drogenkonsum), aber um nicht Gefahr zu laufen Kritik für zu wenig Selbstreflexion zu bekommen, hat sie Matt vorher einfach ein paar Zweifel in den Kopf gepflanzt. Es fehlt einfach ein Übergang von der einen zur anderen Meinung. Damit einher geht für mich auch die Akzeptanz von Gewalt als Mittel zur Konfliktlösung. Ich will nicht sagen, dass Gewalt oder Drogen verherrlicht werden, aber wenn Peter Jesse fragt warum er einen speziellen Kunden „nur“ krankenhausreif prügelt und ihn nicht gleich umbringt, ohne das einer der Jungs den Mund aufmacht und protestiert, weil man Menschen nun mal nicht einfach so totschlägt, finde ich das schon etwas seltsam.

Sam hatte ich schon erwähnt, gerade zu ihm, aber auch zu den anderen Lost Boys (und Peter) fehlten mir viel mehr Informationen. Wieso sind sie dort gelandet, was bewegt sie, warum wollen dort nicht weg und viele andere Sachen. Es ist vielleicht schwieriger diese Fragen zu beantworten, wenn man aus Matts Sicht schreibt, aber es geht. Oder man schreibt er nicht aus der ersten Person, was ich auch gerade am Anfang eher störend fand (Ich gehe hier hin, Ich tue das, Ich denke dieses, Ich, ich, ich....).

Dieses Geheimnis das Peter umgibt, hätte ich wie gesagt eher in einer anderen Richtung verortet, muss dazu aber auch sagen, dass ich Peter Pan nicht kenne und deshalb keinen Vergleich ziehen kann. Mir ging jedenfalls alles viel zu schnell, bei knapp 130 tolino Seiten ist noch jede Menge Luft nach oben (finde ich), sodass man die anderen Personen hätte mehr beschreiben können und auch die Handlung ein bisschen besser ausschmücken können. Es wird klar gemacht, dass Peter die Jungs und ihre Fantasie braucht, aber wieso und warum? Keine Ahnung. Hier fehlt mir einfach etwas entscheidendes, eine Erklärung für all das, was bei den Lost Boys passiert (aber vielleicht versteht man das auch einfach nicht, wenn man Peter Pan nicht kennt?).

Ich finde aber nicht alles schlecht, die Idee, die Storyline finde ich grundsätzlich gut. Bei einigen Szenen, zum Beispiel auf dem verlassenen Rummel beweist die Autorin viel Kreativität und Ideenreichtum. Ein eindeutiger Pluspunkt. Dieser tröstet mich aber leider nicht über das Gefühl der Unvollständigkeit oder Unfertigkeit hinweg, welches mich während des Lesens begleitet hat.

Fazit:
Von der Grundidee sicher ganz nett, aber leider konnte mich die Umsetzung nicht überzeugen. Der Schreibstil war am Anfang etwas holprig, dann aber gut zu lesen. Die Charaktere bleiben entweder sehr farblos, beziehungsweise werden nur in einem Punkt näher beleuchtet, oder wechseln ihre Meinung ohne das eine Erklärung erfolgt. Vielleicht versteht man das Buch besser, wenn man Peter Pan gelesen hat, ich kenne es nicht und fühlte mich vielleicht aus diesem Grund an einigen Stellen verloren und unwissend.

Hinweis:
Nach Aussage der Autorin erscheint im Herbst 2014 eine Kurzgeschichte zu Samuel und Peter.


2/5 Punkten

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